NABU|naturgucker Akademie

Wissen

Hintergründe und Neues aus der Forschung leicht verständlich erklärt

Funktionen

Fast die Hälfte der Landfläche für den Artenschutz notwendig

Siebert, Ina [Ina Siebert1] - 10. Jun 2022, 07:25
Je mehr Land wir Menschen für unsere Versorgung mit agrar- und forstwirtschaftlichen Produkten, zum Wohnen und für den Verkehr beanspruchen, desto mehr gerät die biologische Vielfalt unter Druck. Wie viel Fläche muss weltweit geschützt werden, um die Biodiversität und intakte ökologische Gebiete zu bewahren?
Nationalpark Berchtesgaden, (c) Frank Beisheim/NABU-naturgucker.de
Nationalpark Berchtesgaden
(c) Frank Beisheim/NABU-naturgucker.de
Naturschutz mit 1,8 Milliarden Menschen
Mindestens 44 Prozent der Landfläche sollten es laut einer aktuellen Studie insgesamt sein.[1] Ermittelt wurde dies über georäumliche Algorithmen, mit denen optimale Gebiete für den Erhalt von Arten und Ökosystemen kartiert wurden. Hinzu kamen Szenarien, welcher Anteil davon bis 2030 für intensive Nutzungen umgewandelt werden wird.
 
Um die Flächen zu sichern, schlagen die Forschenden lokal angepasste Strategien von nachhaltiger Nutzung bis zur Ausweisung von Schutzgebieten vor. 1,8 Milliarden Menschen leben hier. Daher müssen Erhaltungsmaßnahmen sie in ihrer Selbstbestimmung und in nachhaltiger Verwaltung unterstützen. Mit ihrer Studie wollen die Verantwortlichen zur Naturschutz- und Entwicklungsplanung beitragen. Derzeit wird diskutiert, weltweit einen Anteil von 30 Prozent der Landfläche unter Schutz zu stellen.
Landschaftspflegende Rinder mit Kuhreiher im Natura 2000-Schutzgebiet Rieselfelder Münster, (c) Andreas Schäfferling/NABU-naturgucker.de
Rinder mit Kuhreiher im Natura 2000-Schutzgebiet Rieselfelder Münster
(c) Andreas Schäfferling/NABU-naturgucker.de
Schutzgebiete in Deutschland
Wir nutzen über die Hälfte der Böden landwirtschaftlich; Siedlungen und Verkehr nehmen immer mehr Raum ein. Artenvielfalt und Lebensräume werden in Schutzgebieten bewahrt, die nach ihrem Zweck, ihren Zielen und den zulässigen Nutzungen in verschiedene Kategorien eingeteilt werden. Teils überlagern sie sich, weshalb sie nicht addiert werden können.[2]
Sehr streng geschützt sind 6,3 Prozent unseres Landes in den Naturschutzgebieten. In den 16 Nationalparks kann sich die Natur ungestört entwickeln; sie bedecken 0,6 Prozent. Dem großräumigen Schutz von Natur- und Kulturlandschaften sowie Versuchen mit naturverträglichen Lebens- und Wirtschaftsweisen dienen die 18 Biosphärenreservate auf 3,9 Prozent der Fläche.
 
Ökologische und kulturell-soziale Eigenarten werden in den Landschaftsschutzgebieten bewahrt, die fast ein Drittel unseres Staatsgebiets ausmachen. In den Naturparken mit einem Anteil von 28,7 Prozent geht es um Erholung, nachhaltigen Tourismus, umweltgerechte Landnutzung und Bildung für nachhaltige Entwicklung ebenso wie den Erhalt der Biotop- und Artenvielfalt. Zum EU-weiten Schutzgebietsnetz Natura 2000 gehören 15,5 Prozent unserer Landesfläche.
Landwirtschaftliche Nutzungen in Rheinland-Pfalz, (c) Ursula Goenner/NABU-naturgucker.de
Landwirtschaftliche Nutzungen in Rheinland-Pfalz
(c) Ursula Goenner/NABU-naturgucker.de
Lernangebote zu Feldflur und Umsichtigem Naturgucken
Wie die Landwirtschaft betrieben wird, entscheidet maßgeblich über die Artenvielfalt in den genutzten Gebieten. Im kostenlosen Lernthema → Feldflur bei der NABU|naturgucker-Akademie werden Praktiken und Auswirkungen von der extensiven Beweidung bis hin zur intensiven Landwirtschaft thematisiert.
 
Beim zweiten neuen Lernthema → Umsichtiges Naturgucken werden unsere Einflüsse auf Pflanzen, Tiere, Pilze und Böden beschrieben, wenn wir uns in die Natur begeben, und die rechtlichen Hintergründe vermittelt. Durch unsere bloße Anwesenheit sowie unser Tun beeinflussen wir die Umwelt, und wir sollten uns der damit verbundenen enormen Verantwortung bewusst sein.

[1] James R. Allan, Hugh P. Possingham, Scott C. Atkinson, Anthony Waldron, Moreno Di Marco, Stuart H. M. Butchart, Vanessa M. Adams, W. Daniel Kissling, Thomas Worsdell, Chris Sandbrook, Gwili Gibbon, Kundan Kumar, Piyush Mehta, Martine Maron, Brooke A. Williams, Kendall R. Jones, Brendan A. Wintle, April E. Reside, James E. M. Watson. The minimum land area requiring conservation attention to safeguard biodiversity. Science, 2022; 376 (6597): 1094. DOI: → 10.1126/science.abl9127

Funktionen

Bisher wurde noch kein Kommentar abgegeben.