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Wie reagieren Insekten in den Tropen und den Alpen auf steigende Temperaturen?

Siebert, Ina [Ina Siebert2] - Morgen, 08:05
Insekten sind ektotherm: Ihre Körpertemperatur hängt von der Temperatur ihrer Umgebung ab. Sie können nicht wie endotherme Tiere körpereigene Wärme produzieren, und sie können auch nicht schwitzen. Lediglich durch ihr Verhalten können sie ihre Temperatur beeinflussen, indem sie Sonne, warme Untergründe oder schattige Bereiche aufsuchen. Ihre Hitzetoleranz hängt unter anderem vom Aufbau und der Hitzestabilität ihrer Proteine ab.
Hamadryas velutina in Brasilien, (c) Chris Engelhardt
Hamadryas velutina in Brasilien
(c) Chris Engelhardt
Obwohl Insekten den Großteil aller bekannten Tierarten ausmachen und unverzichtbar sind für das Funktionieren der Ökosysteme, ist ihre Temperaturtoleranz bislang wenig erforscht worden. Ein internationales Team mit Beteiligung der Universitäten Würzburg und Bremen hat das für mehr als 2.000 tropische Arten in Südamerika und Ostafrika getan. Untersucht wurden Sechsbeiner verschiedener Lebensräume und Höhenlagen. Zwischen den Ordnungen und Familien zeigten sich starke Unterschiede in der Hitzetoleranz. Insbesondere Arten aus dem Tiefland können sich nicht an steigende Temperaturen anpassen, während Arten aus höheren Lagen ihre Hitzetoleranz zumindest kurzfristig erhöhen können. Insgesamt haben Insekten jedoch nur eine geringe Anpassungsfähigkeit, sodass bis zur Hälfte der Insekten im Amazonasraum bei den durch den Klimawandel zu erwartenden Oberflächen- und Lufttemperaturen in lebensbedrohliche Hitzebereiche gerät. Um die Auswirkungen der weiteren Erwärmung abzufedern, benötigen sie intakte tropische Regenwälder mit einer vielfältigen thermischen Lebensraumstruktur sowie vernetzte Wälder, damit Arten aus dem Tiefland in höhere Lagen wandern können.[1]
Schwalbenschwanz, (c) Heidrun Burchard/NABU-naturgucker.de
Schwalbenschwanz
(c) Heidrun Burchard/NABU-naturgucker.de
In den deutschen Alpen hat Dr. Esme Ashe-Jepson von der Universität Würzburg untersucht, wie Schmetterlinge entlang eines Höhengradienten auf steigende Temperaturen reagieren. Sie nahm Flügellänge, Färbung, Flügelzustand und Geschlecht als körperliche Merkmale sowie Wärmeregulierung und Hitzetoleranz in den Fokus. Ihre Beobachtungen verglich sie mit den Veränderungen der Höhenverbreitung im vergangenen Jahrzehnt. Große Arten konnten in niedrigen Lagen hohe Körpertemperaturen besser vermeiden als kleine Arten. Dunkel gefärbte Arten konnten ihre Temperatur zwar besser regulieren, hatten aber durchweg höhere Körpertemperaturen als hell gefärbte. Kleine und dunkle Spezies könnten demnach besonders anfällig für Hitze sein. Sie werden mit zunehmender Höhe häufiger. Schmetterlinge reagieren auf den Klimawandel offensichtlich eher durch eine Umverteilung der Arten als durch eine Anpassung vor Ort. Das hat direkte Auswirkungen auf den Artenschutz: Wenn Spezies eher ihr Verbreitungsgebiet verändern, als sich vor Ort anzupassen, könnten Maßnahmen zum Erhalt von Populationen an ihren derzeitigen Standorten weniger sinnvoll sein. Dann sind eher Strategien notwendig, die auf eine Vernetzung der Lebensräume entlang von möglichen Umverteilungskorridoren zielen.[2]
Schweizer Schillernde Erebie
(c) Lars Stoltze/NABU-naturgucker.de
Bereits in den nächsten Jahren wird das Ziel, die globale Erwärmung auf 1,5°C zu begrenzen, laut dem neuen Bericht der UNEP (United Nations Environment Programme) gerissen. Im besten Fall wird sich die Erde um 1,8°C erwärmen, anderen Szenarien zufolge um 2°C oder mehr. Jedes Zehntelgrad an Erwärmung erhöht die Gefahr, dass die bereits jetzt spürbaren klimatischen Auswirkungen zunehmen und die Kipppunkte, beispielsweise das Schmelzen der Eisschilde und die Degradation des Amazonas-Regenwalds, erreicht werden. Es kommt deshalb darauf an, die 1,5°C für eine so kurze Zeit wie möglich zu überschreiten und so schnell wie möglich wieder darunter zu kommen. Die Treibhausgasemissionen müssen sofort und nachhaltig auf dem Weg nur Netto-Null reduziert werden, und Kohlenstoffdioxid muss, sorgfältig gesteuert, durch Aufforstungen und andere Maßnahmen aus der Luft entfernt werden. Notwendig sind außerdem Anpassungsmaßnahmen, damit Gesellschaften, Gemeinschaften und Volkswirtschaften weniger anfällig sind gegenüber den aktuellen, erwarteten und unerwarteten Auswirkungen des Klimawandels. Der Bericht betont, dass ein solcher Pfad Risiken und Auswirkungen verringern, die Anpassung weniger schwierig und kostspielig machen und die Chancen auf eine Senkung der Temperaturen erhöhen würde.[3]

[1] Holzmann, K.L., Schmitzer, T., Abels, A. et al. Limited thermal tolerance in tropical insects and its genomic signature. Nature 651, 672–678 (2026). DOI: → 10.1038/s41586-026-10155-w
[2] Ashe-Jepson, E. Butterflies with low thermoregulatory capacity show greatest upwards range shifts along an elevational gradient. Commun Biol 9, 1002 (2026). DOI: → 10.1038/s42003-026-10534-z

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