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Amputationen schützen Individuum und Gemeinschaft bei Rossameisen

Siebert, Ina [Ina Siebert1] - 14. Aug 2026, 08:32
Aus der Gattung der → Holz- oder Rossameisen (Camponotus) kommen in Deutschland 6, in Österreich 8 und in der Schweiz 9 Arten vor. Weltweit sind es über 1.000 Spezies. Sie sind in fast allen Lebensräumen vertreten und nisten of in lebendem Holz oder Totholz. Viele Arten sind aber auch flexibel. Das gilt ebenfalls für die Ernährung – Pflanzenteile, Nektar, Aas, lebende Tiere, Honigtau, Pilze oder Kot gehören dazu.
Braunschwarze/Schwarze Rossameise (Artenpaar) in Baden-Württemberg, (c) Ulrich Sach/NABU-naturgucker.de
Braunschwarze/Schwarze Rossameise (Artenpaar) in Baden-Württemberg
(c) Ulrich Sach/NABU-naturgucker.de
Das Wundpflegeverhalten von Rossameisen untersuchen Forschende der Universität Würzburg. Tiere, die in Staaten leben, müssen die Risiken von lebensbedrohlichen Infektionen für die Gemeinschaft rechtzeitig minimieren. Ameisen der vor allem in Afrika vorkommenden Art Camponotus maculatus behandeln Nestgenossinnen mit Verletzungen an den Gliedmaßen, indem sie diese auf Schulterhöhe mit ihren scharfen Mundwerkzeugen abbeißen. Laut einer 2025 veröffentlichten Studie amputieren sie verletzte Gliedmaßen unabhängig davon, ob die Wunden infiziert waren oder nicht und damit vermutlich prophylaktisch. Frühere Studien haben dagegen gezeigt, dass Ameisen dank antimikrobieller Verbindungen in der Lage sind, infizierte Wunden auf unterschiedliche Weise zu behandeln. Je früher ein verletztes Bein bei den jetzt untersuchten Rossameisen amputiert wurde, umso höher waren die Überlebenschancen der betroffenen Tiere.[1]
Haarige Holzameisen in Hessen, (c) Klaus Kreft/NABU-naturgucker.de
Haarige Holzameisen in Hessen
(c) Klaus Kreft/NABU-naturgucker.de
In einer weiteren, kürzlich veröffentlichten Studie ging es um die Frage, welche Ameisen in einem Staat die Amputationen vornehmen. Untersucht wurden Kolonien der im Nahen Osten vorkommenden Art Camponotus fellah. Ihre Bewegungen und Interaktionen wurden mit einem vollautomatischen Tracking erfasst. Demnach gibt es keine dezidierten „Pflegekräfte“ in einem Staat. Vielmehr übernehmen Ameisen, die sich im Übergang von der Brutpflege zum Futtersammeln befinden, diese Aufgabe. Sie sind besonders aktiv und sehr viel innerhalb des Nests unterwegs, wodurch sie mit vielen Nestgenossinnen Kontakt haben. Für die Häufigkeit und Dauer einer Wundversorgung ist auch entscheidend, wie oft eine pflegende Ameise mit ihrer verletzten Artgenossin vorher interagiert hat. Daraus leiten die Forschenden ab, dass bei sozialen Arten eher die soziale Struktur als die individuelle Spezialisierung als Organisationsprinzip für vorübergehende Aufgaben fungieren kann.[2]

[1] Seiji Fujimoto, Juan J. Lagos-Oviedo, Florian Seibel, Louis Puille, Ronja Hausmann, Eoin Corcoran, Thomas Schmitt, Erik T. Frank; Better safe than sorry: leg amputations as a prophylactic wound care behaviour in carpenter ants. Proc. R. Soc. B 1 October 2025; 292 (2057): 20251688. DOI: → 10.1098/rspb.2025.1688
[2] E.A. George, A. Motes-Rodrigo, L.Keller, & E.T. Frank, Social and spatial affinity drive wound care in ants, Proc. Natl. Acad. Sci. U.S.A. 123 (27) e2614400123. DOI: → 10.1073/pnas.2614400123

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