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Hintergründe und Neues aus der Forschung leicht verständlich erklärt
Neuer Rekord: 15.000 Weißstorch-Brutpaare in Deutschland
Siebert, Ina [Ina Siebert2] - 24. Jul 2026, 08:50
Zu den bekanntesten Vögeln gehört sicherlich der → Weißstorch (Ciconia ciconia). Sein Anblick und sein Klappern sind uns so vertraut, weil er ein Kulturfolger ist. Lange Zeit hat ihm die extensive Landwirtschaft Nahrung geboten, und in Dörfern und Kleinstädten hat er geeignete Brutplätze gefunden. Mit der intensiveren Landnutzung, der Entwässerung von Feuchtgebieten und dem Einsatz von Pestiziden gingen seine Bestände in Deutschland seit Beginn des 20. Jahrhunderts allerdings stark zurück.

Balzende Weißstörche im April 2026 in Sachsen
(c) Istvan und Sabine Palfi/NABU-naturgucker.de
(c) Istvan und Sabine Palfi/NABU-naturgucker.de
In den 1980-er Jahren war der Tiefpunkt erreicht, als es weniger als 3.000 Brutpaare in Deutschland gab. Der NABU hat den Weißstorch nicht nur im Wappen, sondern hat sich auch ganz besonders seinem Schutz verschrieben. Maßnahmen wie Wiedervernässungen und auf den Weißstorch abgestimmte Grünlandbewirtschaftung griffen ihm vielerorts erfolgreich unter die Flügel. Inzwischen brüten laut NABU wieder 15.000 Paare in Deutschland und damit so viele wie noch nie seit Beginn der systematischen Aufzeichnungen. Der Weißstorch gilt als eine der Erfolgsgeschichten des Naturschutzes. Was ihm ebenfalls hilft, ist seine Anpassungsfähigkeit. So fliegen die Westzieher oft nur noch bis nach Spanien, während die Ostzieher weiterhin über den Balkan nach Afrika fliegen. Die Westzieher profitieren von der kürzeren Zugstrecke und der früheren Rückkehr in ihre Brutgebiete. Inzwischen sind drei Viertel der Weißstörche in Deutschland Westzieher, während das Verhältnis früher umgekehrt war. Heute sind Niedersachsen und Baden-Württemberg die storchenreichsten Regionen; Hessen hat die größte Dichte.[1] Einige Weißstörche bleiben im Winter gar in Deutschland, was auch seit drei Jahren mit der → Meldeaktion „Weißstörche im Winter“ vom NABU Landesverband Hessen und NABUlnaturgucker dokumentiert wird. Dabei sind Interessierte aufgerufen, ihre Beobachtungen von Weißstörchen in Deutschland aus den Monaten November bis Januar zu melden. 1.187 Beobachtungen waren es im Winter 2025/2026. Vor allem in Hessen halten sich die Winterstörche auf.[2]

Gänsegeier im Juni 2026 in Bayern
(c) Ronny Hartwich/NABU-naturgucker.de
(c) Ronny Hartwich/NABU-naturgucker.de
Als besonderer Gast ist in diesem Jahr eine weitere große und imposante Vogelart bei uns aufgefallen: Nach einzelnen → Gänsegeiern (Gyps fulvus) im April und Mai sind im Juni mehr als ein Dutzend in verschiedene Regionen in Deutschland eingeflogen. Vermutlich sind es junge Gänsegeier aus Frankreich und Spanien, die noch nicht alt genug sind für eine Paarung und Brut. Sie suchen hier nach Nahrung, werden sich aber nicht ansiedeln. Als Brutvogel sind Gänsegeier bei uns bereits vor Jahrhunderten ausgestorben. In Spanien leben nach einer deutlichen Erholung rund 30.000 Brutpaare, in Frankreich 2.500. In der Regel sind Gänsegeier reine Aasfresser, die für ihre Nahrungssuche große Gebiete abfliegen und 300 bis 400 km am Tag zurücklegen können. Bei Hannover hat ein Gänsegeier allerdings nicht flügge Jungstörche im Horst getötet; die Elterntiere konnten ihn nicht abwehren. Jungstörche stellen sich bei Gefahr tot, was bei einem Geier wirkungslos ist. Gänsegeier können keine fliehenden Tiere erbeuten. Ohne Nahrung überleben sie drei bis vier Wochen.[3] Die derzeit letzte Beobachtung aus Deutschland auf dem → Meldeportal von NABUlnaturgucker stammt vom 12. Juli aus Baden-Württemberg.