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Wie viele Schildkrötenarten leben in Deutschland?
Siebert, Ina [Ina Siebert2] - 17. Jul 2026, 08:49
Nur wenige Reptilienarten sind an die klimatischen Bedingungen in Deutschland angepasst und kommen hier ursprünglich vor: die → Europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis), 6 Echsen- sowie 7 Schlangenarten. Vor allem durch den Verlust ihrer Lebensräume sind 69 Prozent dieser für die Roten Liste untersuchten Reptilienarten in ihrem Bestand gefährdet. Auf ausgesetzte Haustiere gehen 14 weitere bei uns lebende Schildkrötenarten zurück, wie eine aktuelle Studie mit Citizen-Science-Daten ermittelt hat.

Europäische Sumpfschildkröte
(c) Jens Winter/NABU-naturgucker.de
(c) Jens Winter/NABU-naturgucker.de
Extrem selten und vom Aussterben bedroht ist die Europäische Sumpfschildkröte in Deutschland. Sie kommt wahrscheinlich nur noch im Nordosten Brandenburgs in einer ursprünglichen Population vor, während andere Bestände auf Wiederansiedlungsprojekte oder Aussetzungen zurückgehen. Fang, Handel und der Verlust ihrer Lebensräume dezimieren die einzige Schildkrötenart Mitteleuropas bereits seit Jahrhunderten.[1] Hinzu kommen der Klimawandel, durch den Gewässer in Dürrejahren austrocknen, und neue Fressfeinde wie → Waschbär (Procyon lotor), → Marderhund (Nyctereutes procyonoides) und → Mink (Neovison vison). Ausgesetzte andere Sumpfschildkröten-Arten bedeuten Konkurrenz um Nahrung und Lebensraum. Um sie zu schützen, sind die Lebensräume der Europäischen Sumpfschildkröte in Brandenburg in das europäische Schutzgebietssystem Natura 2000 integriert worden. In einigen Gebieten konnte die Verlandung verhindert werden. Mit Vertragsnaturschutz und Pflegemaßnahmen werden die Bestände und Gelege gesichert. Derzeit vermehren sich die Sumpfschildkröten hier erfolgreich selbst. Zusätzlich werden Nachkommen einer Erhaltungszucht in kleine Populationen oder verlassene Lebensräume gesetzt.[2]

Buchstaben-Schmuckschildkröte
(c) Adriana Röttger/NABU-naturgucker.de
(c) Adriana Röttger/NABU-naturgucker.de
Seit den 1930-er Jahren und vor allem in den 1980er- und 1990er-Jahren ist die aus Nordamerika stammende → Buchstaben-Schmuckschildkröte (Trachemys scripta) als beliebtes Haustier weltweit verbreitet worden. Sie gilt als eine der schädlichsten invasiven Reptilienarten. Auch in Deutschland lebt sie in zahlreichen Gewässern, zurückgehend auf ausgesetzte Haustiere. Ein deutsches Forschungsteam hat anhand von veröffentlichten Quellen und öffentlich zugänglichen Citizen-Science-Daten untersucht, wo sie und weitere Arten hierzulande vorkommen. Rund 70 Prozent der 1.770 Nachweise des Datensatzes entfallen auf die Buchstaben-Schmuckschildkröte. Ebenso wie die → Gewöhnliche Schmuckschildkröte (Pseudemys concinna) und die → Falsche Landkartenschildkröte (Graptemys pseudogeographica) gilt sie als etabliert, da sie sich in Deutschland nachweislich in der Natur fortgepflanzt hat. Insgesamt leben 14 Schildkröten-Arten aus anderen Weltregionen in Deutschland. Am häufigsten werden sie in der Nähe von Städten und Ballungsräumen gemeldet. Sowohl Artenvielfalt und Bestandsgröße sind hier am höchsten, was aus Sicht der Forschenden eine starke Korrelation zwischen ihrer Verbreitung und menschlichen Einflussfaktoren bestätigt. Notwendig sind ein flächendeckenderes Monitoring, das Verhindern weiterer Aussetzungen und Untersuchungen, welchen Einfluss die Schildkröten auf die bisherigen Lebensgemeinschaften haben. Je genauer die Verbreitung bekannt ist, desto besser lassen sich Schutzmaßnahmen für die Lebensgemeinschaften und Ökosysteme ergreifen.[3]

Gewöhnliche Schmuckschildkröte
(c) Frank Philip Gröhl/NABU-naturgucker.de
(c) Frank Philip Gröhl/NABU-naturgucker.de
[3] Schloddarick H, Griesbaum F, Vamberger M, Penner J (2026) Striking diversity and distribution of non-native chelonians in Germany. NeoBiota 107: 207-224. DOI: → 10.3897/neobiota.107.178668