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Fast alle Tiergruppen profitieren von höherer Strukturvielfalt im Wald

Siebert, Ina [Ina Siebert2] - 10. Jul 2026, 09:26
Wälder bedecken ein Drittel der Landesfläche in Deutschland. Sie werden zum größten Teil seit Jahrhunderten genutzt und sind häufig Wirtschaftswälder mit eher gleichförmigem Baumbestand. Grundsätzlich sind Wälder Lebensräume für Tausende Arten von Pflanzen, Tieren und Pilzen. Eine hohe Biodiversität ist für jeden Wald wichtig, denn sie schützt besser bei Störungen beispielsweise durch Wetterextreme. Wie sich strukturelle Vielfalt im Wald auf verschiedene Organismengruppen auswirkt, haben Forschende unter Leitung der Julius-Maximilians-Universität Würzburg untersucht.
Fransenfledermaus, (c) Hans Schwarting/NABU-naturgucker.de
Fransenfledermaus
(c) Hans Schwarting/NABU-naturgucker.de
In elf Buchenwäldern in Deutschland haben sie 234 definierte Flächen von 50 mal 50 Metern untersucht. Auf der Hälfte davon wurden diversere Strukturen geschaffen: entweder durch Lücken im Blätterdach oder durch stehendes oder liegendes Totholz. Über vier bis sieben Jahre haben sie anschließend mit einem akustischen Monitoring die Veränderungen in der Artenvielfalt von Fledermäusen und Vögeln untersucht. 17 Fledermaus- und 72 Vogelarten konnten nachgewiesen werden. Durchschnittlich kamen 2 Fledermausarten auf den veränderten Flächen hinzu. Ihre Vielfalt erhöhte sich, wenn sich die neu geschaffenen Flächen im Wald stärker voneinander unterschieden. Bei den Vögeln wurden vor allem Arten mit spezialisierten Lebensweisen angezogen, beispielsweise Spechte, die auf Totholz angewiesen sind. Aus Sicht der Forschenden kann schon mit derartigen kleineren Eingriffen die Struktur- und damit Artenvielfalt auch in eher monotonen Wäldern erhöht werden.[1]
Schwarzspecht, (c) Roland Tichai/NABU-naturgucker.de
Schwarzspecht
(c) Roland Tichai/NABU-naturgucker.de
Eine weitere Untersuchung auf diesen Flächen zeigte dagegen, dass die Anzahl der Spinnenarten zurückging. Spinnen sind die einzige der bislang untersuchten Tiergruppen, die negativ auf die geschaffene Strukturvielfalt reagieren. 206 Arten konnten die Forschenden mit Bodenfallen nachweisen, was etwa 20 Prozent der in Deutschland vorkommenden Spezies entspricht. Auf den diverseren Flächen wurden im Durchschnitt 5 Arten weniger gefunden. Für Spinnen bietet bereits der geschlossene Wald eine große Vielfalt mit unterschiedlich spezialisierten Arten in Bodennähe, am Stamm und im Kronenbereich. Letztere verlieren auf neu geschaffenen Lichtungen im Wald ihren Lebensraum. Zwar wanderten hier andere Spezies ein, doch waren es weniger und eher häufige und generalistische Arten. Um die Biodiversität in den Wäldern zu erhalten, müssen die unterschiedlichen Ansprüche aller Artengruppen berücksichtigt werden – pauschale Lösungen gibt es nicht.[2]
Gehörnte Kreuzspinne, (c) Katrin Schneider/NABU-naturgucker.de
Gehörnte Kreuzspinne
(c) Katrin Schneider/NABU-naturgucker.de

[1] Clara Wild, Anne Chao, Po-Yen Chuang, ..., Jens Schlüter, Simon Thorn, Jörg Müller. Restoring structural complexity in temperate forests increases bat and bird diversity. Current Biology 36, Volume 36, Issue 11. p2840-2852.e4. June 08, 2026. DOI: → 10.1016/j.cub.2026.04.058
[2] Stör, J.-L., Rothacher, J., Cadotte, M. W., Chao, A., Huszarik, M., Junginger, M., Köstler-Albert, L., Mitesser, O., Mori, A. S., Wild, C., & Müller, J. (2026). Temperate forest heterogeneity decreases local and landscape-scale spider diversity through habitat filtering despite increasing species turnover. Journal of Animal Ecology, 00, 1–14. DOI: → 10.1111/1365-2656.70297

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