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Hintergründe und Neues aus der Forschung leicht verständlich erklärt
Wo leben welche Insekten in verdichteten Städten?
Siebert, Ina [Ina Siebert1] - 3. Jul 2026, 08:12
Urbane Lebensräume sind für viele Insekten zu einer Zuflucht geworden. Wie gut sie hier zurechtkommen, hängt von der Gestaltung der Freiflächen ab – versiegelte Flächen und Schottergärten sind für die meisten Lebewesen nicht bewohnbar. Regionaltypische Pflanzen bieten hierzulande vorkommenden Insekten Nahrung und Lebensraum. Vielfältige Strukturen ziehen Insekten mit unterschiedlichen Lebensweisen an.

Dunkle/Helle Erdhummel (Artenpaar)
(c) Verena Schnarr/NABU-naturgucker.de
(c) Verena Schnarr/NABU-naturgucker.de
Um den Flächenverbrauch außerhalb von Städten zu reduzieren, werden sie jedoch im Inneren immer mehr bebaut und verdichtet. Das verändert die Wechselwirkungen zwischen Pflanzen und Bestäubern und reduziert die Bestäubungsleistungen der Insekten. Damit die Qualität der bestehenden Lebensräume erhöht werden kann, ist ein besseres Verständnis notwendig, welche Insekten welche Pflanzen in den Städten wie gut bestäuben. Eine effektive Bestäubung hängt davon ab, wie die Merkmale zwischen Bestäubern und Blüten übereinstimmen.

Gelbbindige Furchenbiene
(c) Thomas Weitzel/NABU-naturgucker.de
(c) Thomas Weitzel/NABU-naturgucker.de
Forschende der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL haben dazu Gärten in Zürich untersucht. Rund 30 Freiwillige haben über einen Monat hinweg wiederholt für jeweils neun Stunden Insekten in 24 verschiedenen Gärten protokolliert und gefangen. Die Gärten lagen in unterschiedlich dicht bebauten Stadtteilen und unterschieden sich im Blütenangebot. Es zeigte sich: Sowohl die Bestäuberbesuche als auch die Artenvielfalt verringerten sich mit zunehmender Verdichtung und abnehmender Blumenvielfalt. Blumenreiche Gärten in der dicht bebauten Innenstadt beherbergten mehr kleine Solitärbienen und große Sozialbienen wie Hummeln, jedoch kaum noch Schwebfliegen oder Käfer. Letztere finden hier keine geeigneten Lebensräume, da beispielsweise viele Käfer im Totholz nisten. Je höher die Verdichtung, desto geringer war der Bestäubungserfolg.

Hainschwebfliege
(c) Istvan und Sabine Palfi/NABU-naturgucker.de
(c) Istvan und Sabine Palfi/NABU-naturgucker.de
Um Artenvielfalt und Ökosystemleistungen wie die Bestäubung in der Stadt zu fördern, bedarf es Maßnahmen von vielen Beteiligten – von artenreichen Privatgärten bis hin zur Stadtplanung. Einzelne Strategien reichen nicht aus, um den Verlust von Bestäubern und Bestäubungsleistungen in zunehmend urbanisierten Umgebungen abzumildern. Wichtig sind eine Erhöhung der pflanzlichen Artenvielfalt und des Angebots an Blütenpflanzen insgesamt sowie die Schaffung und Vernetzung spezifischer Lebensräume für verschiedene Bestäubergruppen.[1]

Schwefelkäfer
(c) Ingo Bierschwale
(c) Ingo Bierschwale
Im Citizen-Science-Projekt → Stadtinsekten können Insektenfans dabei helfen, Informationen über das aktuelle Vorkommen der Insektenarten und ihre Beziehungen zu Pflanzen in ihrer Gegend zusammenzutragen. Hinter dem Projekt stehen NaturGarten e.V. und NABU|naturgucker als Partner. Über den → Meldelink Stadtinsekten können sämtliche Insekten und von ihnen besuchte Pflanzen gemeldet werden, die auf einem Balkon, im Garten, im öffentlichen Grün oder auf einem Gründach gesehen und fotografiert worden sind. Je mehr über die Insektenbestände und über die von ihnen besuchten Pflanzen bekannt ist, desto mehr profitieren Naturschutz und Forschung von diesen Daten.
[1] Reji Chacko, M., Frey, D. J., Albrecht, M., Ghazoul, J., & Moretti, M. (2026). No one-size-fits-all: Trait-dependent effects of local plant diversity on pollinators and pollination service in a densifying city. Journal of Applied Ecology, 63, e70384. DOI: → 10.1111/1365-2664.70384