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Hintergründe und Neues aus der Forschung leicht verständlich erklärt
Sandbienen-Population mit rund 5,5 Millionen Individuen untersucht
Siebert, Ina [Ina Siebert1] - 12. Jun 2026, 08:50
Eine besonders artenreiche Gattung der Bienen ist die der → Sandbienen (Andrena) mit etwa 125 Arten in Mitteleuropa. Weltweit sollen es über 1.000 Spezies sein. Wie die meisten Wildbienen leben und nisten Sandbienen solitär. Das tun sie meist in sandigem Boden. In den hier angelegten Brutzellen befinden sich ein Ei und ein Pollenvorrat, von dem sich die Larven ernähren. Sie verpuppen sich in den Zellen und erscheinen je nach Art im selben oder im darauffolgenden Jahr als erwachsene Bienen.

Große Weidensandbiene
(c) Frank Aeckersberg/NABU-naturgucker.de
(c) Frank Aeckersberg/NABU-naturgucker.de
Bereits im März fliegen bei uns die Männchen der → Großen Weidensandbiene (Andrena vaga). Sie schlüpfen vor den Weibchen und warten im niedrigen Flug über den Nestern auf schlüpfende Weibchen. Die Nester werden teils nah beieinander angelegt, weshalb sich an geeigneten, offenen und sandigen Standorten im Frühjahr hunderte oder gar tausende Tiere gleichzeitig beobachten lassen können. Auch Gegenspieler können zu sehen sein: Weibchen der → Rothaarigen Wespenbiene (Nomada lathburiana) gehören zu den Kuckucksbienen und legen ihre Eier in den Nestern der Großen Weidensandbiene ab. Ebenfalls von den Bienenlarven und ihren Vorräten ernähren sich die Larven des → Großen Wollschwebers (Bombylius major). Lebensräume der Großen Weidensandbiene sind Flussauen und feuchte Niederungen. Sie ist auf → Weiden (Salix) als Nahrungsquelle angewiesen.

Weiße Bindensandbiene
(c) Volkmar Nix/NABU-naturgucker.de
(c) Volkmar Nix/NABU-naturgucker.de
Forschende der Cornell University haben im US-Bundesstaat New York eine Population von solitär lebenden → Andrena regularis entdeckt, die zu den größten bekannten Bienen-Populationen weltweit gehört. Auf einem Friedhof konnten sie mithilfe von Insektenfallen und Berechnungen rund 5,5 Millionen Individuen dieser Art ermitteln. Das entspräche bei → Honigbienen (Apis mellifera) mit Koloniegrößen zwischen 20.000 und 40.000 Individuen einer Zahl von 140 bis 270 Völkern auf der untersuchten Fläche von etwa 6.000 Quadratmetern. Nachweise der Sandbienen-Art auf dem Friedhof reichen bis 1935 zurück, womit der Standort schon seit mehr als 90 Jahren von diesen Sandbienen besiedelt wird. Über einen Zeitraum von 41 Tagen sammelten die Forschenden 3.251 Insekten, die 16 Arten von Bienen, hauptsächlich Andrena regularis, sowie Fliegen und Käfern zugeordnet werden konnten. Mit den Daten ließen sich nicht nur die Größe der Population ermitteln, sondern auch die Phänologie des Schlupfes, das Geschlechterverhältnis und die Rate der häufigsten Brutparasiten. Damit trägt die Studie zum Wissen über die Ökologie von bodennistenden Bienen bei, worüber trotz ihrer großen Rolle in der Bestäubung noch vieles unbekannt ist. Zudem belegt sie die Bedeutung von Friedhöfen als Gebiete mit einer hohen Biodiversität, zu der auch zahlreiche bedrohte Arten zählen.[1]
[1] Hoge, S.T., Kueneman, J.G., Fordyce, R. et al. Emergence dynamics and host-parasite associations in a large aggregation of Andrena regularis (Hymenoptera: Apoidea: Andrenidae). Apidologie 57, 29 (2026). DOI: → 10.1007/s13592-026-01256-6