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Stunde der Gartenvögel: Sperlingsbeobachtungen nehmen weiter ab

Siebert, Ina [Ina Siebert2] - 5. Jun 2026, 08:20
Vom 8. bis zum 10. Mai 2026 fand die bereits 22. Stunde der Gartenvögel von NABU und LBV statt. Rund 56.000 Menschen haben sich beteiligt und aus gut 38.000 Gärten mehr als 1 Million Vögel gemeldet. Bei der deutschlandweiten Mitmachaktion zählen Naturinteressierte eine Stunde lang an einem festen Standort im bewohnten Gebiet Vögel und melden ihre Ergebnisse. Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag für den Natur- und Umweltschutz: Mit der Erfassung von Beobachtungen über Jahre hinweg lassen sich Trends in der Bestandsentwicklung der Vögel erkennen.
Haussperling an Fütterung, (c) Ulrich + Karin Klein/NABU-naturgucker.de
Haussperling an Fütterung
(c) Ulrich + Karin Klein/NABU-naturgucker.de
Wie in den Jahren zuvor ist der → Haussperling (Passer domesticus) am häufigsten gemeldet worden. Allerdings ist die Zahl der beobachteten Individuen erneut zurückgegangen. Selbst der Haussperling findet immer weniger Nahrung, Nist- und Lebensraum in den Siedlungen. Dabei hat er ein vielfältiges Nahrungsspektrum und frisst außer den bevorzugten Körnern und Samen auch Knospen oder Brotkrümel. Bei der Wahl des Nistplatzes ist er ebenfalls flexibel. Ebenso sind → Mauersegler (Apus apus) und → Mehlschwalbe (Delichon urbicum) deutlich seltener gemeldet worden. Beide Arten ernähren sich von Insekten und nisten in Nischen und Spalten von Gebäuden. An Neubauten und sanierten Häusern finden sie jedoch immer weniger geeignete Brutstandorte. Zwar nehmen sie auch Nisthilfen an, doch gehen ihre Zahlen ebenfalls seit Jahren zurück. Womöglich waren in diesem Jahr noch nicht alle Vögel aus ihren Winterquartieren zurückgekehrt.
Mehlschwalben am Nest, (c) Ralph Bergs/NABU-naturgucker.de
Mehlschwalben am Nest
(c) Ralph Bergs/NABU-naturgucker.de
Im Fokus der Zählung 2026 standen die Finken. Regional wurden in den vergangenen Monaten tote → Buchfinken (Fringilla coelebs), → Gimpel (Pyrrhula pyrrhula) und → Stieglitze (Carduelis carduelis) gemeldet. Sie könnten sich an Futter- und Wasserstellen mit Trichomonaden (Trichomonas gallinae) angesteckt haben. Das sind einzellige Parasiten, die bei Wildvögeln, vor allem Finken, eine meist tödlich verlaufende Infektion auslösen können. Erkrankte Vögel fallen durch schaumigen Speichel auf, zeigen großen Durst und wirken oft auffallend furchtlos. Buchfinken und → Grünfinken (Chloris chloris) wurden bei der Stunde der Gartenvögel häufiger beobachtet als im Vorjahr. Es scheint sich also derzeit keine größere Infektionswelle mit Trichomonaden auszubreiten.[1]
Grünfink an der Wasserstelle, (c) Kirstin Salzgeber/NABU-naturgucker.de
Grünfink an der Wasserstelle
(c) Kirstin Salzgeber/NABU-naturgucker.de
Im Sommer 2009 wurden erstmals infizierte Vögel, insbesondere Grünfinken, in vielen Regionen in Deutschland beobachtet. Seitdem treten in den Sommermonaten immer wieder Infektionswellen auf, die unterschiedlich stark ausfallen. Wer Vögel füttert oder ihnen Wasser anbietet, kann dazu beitragen, Ansteckungen zu vermeiden. Sauberkeit an der Futterstelle und regelmäßige Wasserwechsel sind grundsätzlich wichtig. Sobald ein kranker oder toter Vogel beobachtet wird, sollten die Fütterung und auch das Wasserangebot jedoch eingestellt werden. Selbst die tägliche Reinigung von Futter- und Wasserstellen reicht nicht aus, um die Vögel vor Ansteckung zu schützen, wenn kranke Artgenossen in der Nähe sind. Seit 2013 gehen die Bestände der Grünfinken zurück, wie auch die Ergebnisse der Stunde der Gartenvögel zeigen. Ein Zusammenhang mit dem vermehrten Auftreten von Trichomonaden-Infektionen gilt als wahrscheinlich, ist jedoch bislang nicht nachgewiesen.[2] In naturnahen Gärten finden Vögel auch ohne Fütterung ausreichend Nahrung, außerdem Schutz und Brutmöglichkeiten.


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