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Wie Eichen ihren Blattaustrieb anpassen können

Siebert, Ina [Ina Siebert1] - 29. Mai 2026, 08:10
Weltweit gibt es mehrere hundert Arten aus der Gattung der → Eichen (Quercus). Die häufigste Art in Mitteleuropa ist die → Stiel-Eiche (Quercus robur), die bevorzugt in Tieflagen und Auwäldern wächst. An eher trockenen Standorten und häufiger in Mittelgebirgen gedeiht die → Trauben-Eiche (Quercus petraea). Bei der Stiel-Eiche hängen die Eicheln an langen Stielen, bei der Trauben-Eiche in kleinen Gruppen fast direkt am Zweig.
Stiel-Eiche, (c) Franz Näther/NABU-naturgucker.de
Stiel-Eiche
(c) Franz Näther/NABU-naturgucker.de
Stiel- und Trauben-Eiche haben zusammen einen Anteil von 11,5 Prozent der Waldfläche in Deutschland. Sie sind in einem schlechten Zustand, wie die jährlichen Waldzustandserhebungen zeigen. Laut der jüngst veröffentlichten Erhebung für das Jahr 2025 hat die Eiche die höchste mittlere Kronenverlichtung der Hauptbaumarten → Fichte (Picea abies), → Wald-Kiefer (Pinus sylvestris), → Rot-Buche (Fagus sylvatica) und Eichen. Von 29,3 Prozent ist die Verlichtung der Eichen auf 30,1 Prozent im Jahr 2025 angestiegen. Durchschnittlich ist die Eiche die älteste Baumart, was sie besonders anfällig macht. Bundesweit zeigen die Ergebnisse, dass sich der Wald noch nicht von den Folgen der extrem trockenen und heißen Sommer der Jahre 2018 bis 2020 erholt hat. Für die Erhebung wurden mehr als 46.000 Probebäume von 38 Spezies untersucht.[1]
Trauben-Eiche, (c) Ursula Goenner/NABU-naturgucker.de
Trauben-Eiche
(c) Ursula Goenner/NABU-naturgucker.de
Ein europäisches Forschungsteam hat untersucht, wie sich der Klimawandel auf den Zeitpunkt des Blattaustriebs von Eichen auswirkt und ob es weitere Einflussfaktoren gibt. Trotz anhaltender Erwärmung im Frühjahr treiben die Eichen nicht so viel früher aus wie erwartet, was auf gegenläufige ökologische Kräfte hindeutet. Über die Jahre 2017 bis 2021 haben sie an 60 Standorten in Unterfranken Sentinel-1-Satellitendaten ausgewertet. Die Auflösung der Daten war so hoch, dass sie der Krone eines einzelnen Baums entsprach. Tatsächlich zeigte sich, dass Eichen den Blattaustrieb um drei Tage verzögerten, wenn im Jahr zuvor Raupen des → Schwammspinners (Lymantria dispar) stark an den jungen Blättern gefressen hatten. Durch die Verzögerung reduzierten sich die Fraßschäden um 55 Prozent. Offensichtlich können die Bäume nicht nur auf das Wetter reagieren, sondern auch auf biologische Einflussfaktoren. Allerdings können sie in einen Konflikt geraten, wenn die Erwärmung einen früheren Austrieb begünstigt, der Pflanzenfraß jedoch eine Verzögerung. In ihren Ergebnissen sehen die Forschenden die Notwendigkeit, nicht nur das Klima, sondern auch die Wechselwirkungen zwischen Pflanzen und Pflanzenfressern sowie die adaptive Evolution zu berücksichtigen, um die Reaktionen von Bäumen auf eine sich verändernde Welt besser vorherzusagen.[2]
Männlicher Schwammspinner, (c) Rainer Wissing/NABU-naturgucker.de
Männlicher Schwammspinner
(c) Rainer Wissing/NABU-naturgucker.de

[2] Mallick, S., Lichter, J., Bae, S. et al. Satellite data show trees delay budburst across landscapes to escape herbivores. Nat Ecol Evol (2026). DOI: → 10.1038/s41559-026-03071-9

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