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Biologische Vielfalt unserer Böden wird besser untersucht

Siebert, Ina [Ina Siebert1] - 22. Mai 2026, 08:08
Boden ist voller Leben: In nur einem Esslöffel Boden kommen mehr Organismen vor, als es Menschen auf der Erde gibt. Mengenmäßig stellen Bakterien und pilzähnliche Bakterien den größten Anteil, gewichtsmäßig die Regenwürmer. Das komplexe Zusammenspiel aller Bodenorganismen unterhält essenzielle Stoffkreisläufe. Abgestorbene Pflanzen dienen zersetzenden Organismen als Nahrung, sodass organische Substanzen zu Mineralstoffen und Humus umgewandelt werden. Sie selbst sind die Nahrung räuberischer Arten.
Gemeiner Steinläufer, (c) Achim Kluck/NABU-naturgucker.de
Gemeiner Steinläufer
(c) Achim Kluck/NABU-naturgucker.de
60 Prozent der Artenvielfalt weltweit befindet sich im Boden. Diese Organismen sorgen dafür, dass hier Pflanzen und damit auch unsere Nahrungsmittel wachsen und dass Wasser und Kohlenstoff gespeichert werden können. So groß ihre Bedeutung ist, so unbekannt ist doch, wie es dieser Vielfalt angesichts von Schadstoffeinträgen, starker Bodennutzung oder Klimawandel geht. Das Umweltbundesamt hat deshalb 2025 gemeinsam mit zahlreichen Institutionen das Forschungsprojekt „Basiserfassung Bodenbiodiversität“ (BioDive4Soil) aufgelegt. Über sechs Jahre hinweg soll die typische Zusammensetzung der Lebensgemeinschaften in den Böden in Deutschland systematisch und übergreifend erfasst werden. Forschende der Bodenökologie untersuchen die Biodiversität in verschiedenen Böden bei unterschiedlicher Nutzung. Anhand der Ergebnisse soll ein guter biologischer Bodenzustand definiert werden, um Abweichungen besser erkennen zu können. Damit kann die Biodiversität der Böden künftig besser geschützt werden, um die auch für uns lebensnotwendigen Ökosystemleistungen zu erhalten.[1]
Rotbrauner Bandfüßer, (c) Dieter Gschwend/NABU-naturgucker.de
Rotbrauner Bandfüßer
(c) Dieter Gschwend/NABU-naturgucker.de
Im Mai 2026 ist die neue Rote Liste und Gesamtartenliste der → Hundertfüßer (Chilopoda) und → Doppelfüßer (Diplopoda) veröffentlicht worden. 62 in Deutschland etablierte Hundertfüßer- und 127 etablierte Doppelfüßer-Taxa werden darin aufgeführt. Hundertfüßer leben räuberisch beispielsweise von Springschwänzen und Fliegenlarven, können aber auch Regenwürmer überwältigen. Sie sind lichtscheu und benötigen Feuchtigkeit. Ihre Körper bestehen aus mindestens 19 Segmenten, und sie tragen jeweils ein Beinpaar an den Rumpfsegmenten (mit Ausnahme der Genital- und Analregion). Doppelfüßer dagegen haben an den meisten Körperringen jeweils zwei Beinpaare. Auch sie bevorzugen es feucht und dunkel und kommen vor allem in der Bodenstreu vor. Hier ernähren sie sich als wichtige Zersetzer von abgestorbenem organischem Material, Algen und Pilzen. 10 Prozent der Hundertfüßer und 12 Prozent der Doppelfüßer gelten bei uns als bestandsgefährdet. Problematisch sind vor allem der Verlust und die Fragmentierung von Lebensräumen, da sie wenig mobil sind und kaum andere Biotope erreichen und besiedeln können. Dürren, Starkregen und steigende Temperaturen in Folge des Klimawandels bedrohen die feuchtigkeitsliebenden Tiere. Hiesige Doppelfüßer-Spezies bevorzugen zudem Temperaturen unter 26°C. Hundertfüßer und Doppelfüßer sind auf den Schutz strukturreicher Lebensräume und deren Vernetzung untereinander angewiesen.[2]
Kulturfolger und in Deutschland vor allem in Städten entlang des Rheins: Spinnenläufer, (c)  Hans Schmitt/NABU-naturgucker.de
Kulturfolger und in Deutschland vor allem in Städten entlang des Rheins: Spinnenläufer
(c)  Hans Schmitt/NABU-naturgucker.de


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