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Höhere Anforderungen an Strommasten für den Vogelschutz
Siebert, Ina [Ina Siebert1] - 15. Mai 2026, 08:51
Strommasten werden in Deutschland für Vögel künftig sicherer. Seit Oktober 2025 gilt eine überarbeitete technische Richtlinie für Mittelspannungsmasten, die Netzbetreiber, Naturschutzverbände, darunter der NABU, und Behörden gemeinsam entwickelt haben. Für neue wie für bestehende Masten werden verbindliche Schutzmaßnahmen vorgeschrieben, die die Netzbetreiber zügig und flächendeckend umsetzen müssen. Rund 530.000 Kilometer lang ist das deutsche Mittelspannungsnetz.

Weißstörche auf Strommast
(c) Udo Krupka/NABU-naturgucker.de
(c) Udo Krupka/NABU-naturgucker.de
Viele Vogelarten rasten gern auf Stromleitungen und Masten. Berühren sie dabei nur eine Leitungsebene, passiert nichts. Wenn bei den Strommasten jedoch die Abstände zwischen Mast und geerdeten Bauteilen und spannungsführenden Leitungsdrähten gering sind, kann es zu Todesfällen kommen. Sobald Vögel zwei Drähte einer Freileitung berühren, die unterschiedliche Spannungen führen, fließt Strom durch ihren Körper und tötet sie durch Kurzschluss. Häufiger sind Todesfälle durch Erdschlüsse, wenn Vögel eine Verbindung zwischen einer Leitung und einem geerdeten Strommasten herstellen. Das kann auch über Nistmaterial oder sogar einen Kotstrahl entstehen. Von solchen Stromschlägen sind insbesondere größere Greifvögel und Eulen sowie Störche und Rabenvögel betroffen. Für den → Weißstorch (Ciconia ciconia) ist der Stromschlag an schlecht gesicherten oder ungesicherten Strommasten eine der Haupttodesursachen, und derartige Masten haben in der Vergangenheit auch zur Bestandsbedrohung des → Uhus (Bubo bubo) beigetragen. Außerdem können Vögel im Flug mit Leitungen kollidieren, sich dabei verletzen und abstürzen. Hiervon sind vor allem große Arten betroffen, die eher einen Rundumblick haben, als nach vorne zu fokussieren. Beispiele sind Trappen, Kraniche, Schwäne, Gänse und Störche.[1] Die Zahl der Stromopfer ist schwer zu schätzen, zählt aber Studien zufolge zu den häufigsten Todesursachen bedrohter Großvögel.

Toter Uhu an Strommast
(c) Ina Siebert/NABU-naturgucker.de
(c) Ina Siebert/NABU-naturgucker.de
Seit 2009 sind Netzbetreiber nach dem Bundesnaturschutzgesetz verpflichtet, neue Strommasten vogelsicher zu bauen und bestehende Masten nachzurüsten – das ist jedoch bislang nicht vollständig umgesetzt worden. Masten und Leitungen mit Niederspannung (unter 1 kV) sind für Vögel ungefährlich, solche mit Hoch- und Höchstspannung (mehr als 60 kV) sind durch die Bauart mit langen Isolatoren weitgehend ungefährlich. Problematisch ist der Mittelspannungsbereich (von 1 kV bis 60 kV) mit kurzen Isolatoren. Hier sollte der Abstand zwischen möglichen Sitzplätzen und den unter Spannung stehenden Teilen waagrecht und nach unten mehr als 60 cm betragen. Leitungen mit Hängeisolatoren, die mit mehr als 60 cm Isolationsstrecke am Querträger befestigt sind, sind ebenfalls relativ sicher. Ein Großteil der Mittelspannungsmasten hat jedoch Stützisolatoren, wodurch die Leitungen in geringem Abstand oberhalb des Querträgers verlaufen. Großvögel, die sich hier gern niederlassen, haben dann jedoch nur einen geringen Abstand zu den spannungsführenden Leitungen. Seit 2011 gibt es die VDE-Anwendungsregel zum Vogelschutz an Mittelspannungsfreileitungen vom Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE). Seit Oktober 2025 gilt die überarbeitete Anwendungsregel auf der Basis neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse. Freileitungen können durch Mindestabstände, die Isolierung aktiver Teile, das Anbieten von isolierten Sitzgelegenheiten oder die Vermeidung von Sitzgelegenheiten für Vögel sicherer gemacht werden. Abhängig von der jeweiligen Konstruktionsweise der Masten gelten Regeln für die Nachrüstung wie die Sicherung von Stützisolatoren mit Abdeckhauben und von Abspannisolatoren mit Abdeckungen oder das Anbringen von Sitzprofilen über Querträgen oder von Andreaskreuzen auf Abdeckträgern. Detaillierte Regeln sind auch für den Neubau von Masten aufgelistet.[2] In der Broschüre → Achtung Stromschlag! vom NABU unter Mitwirkung des VDE zeigen zahlreiche Grafiken und Beschreibungen, woran sichere und unsichere Masten erkennbar sind. So lassen sich Strommasten vor Ort mit den Regelungen vergleichen. Außerdem ruft der NABU dazu auf, tote Vögel an und unter Stromleitungen zu melden, damit die zuständige Untere Naturschutzbehörde des jeweiligen Landkreises informiert werden kann: → Meldeformular Stromtod. Die durch das Meldeportal erfassten Daten unterstützen die Bemühungen für einen besseren Vogelschutz und erhöhen die Wissensgrundlage zu dieser Naturschutz-Problematik.
[1] → NABU: NABU sammelt Daten für mehr Vogelschutz - Helfen Sie mit Stromleitungen sicher zu machen
[2] → NABU: Achtung Stromschlag! Wie Vögel vor Unfällen auf Strommasten besser geschützt werden können