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Hitze und Dürre reduzieren den Fortpflanzungserfolg von Hummeln
Siebert, Ina [Ina Siebert2] - 8. Mai 2026, 08:43
41 Arten von → Hummeln (Bombus) kommen in Deutschland vor. Davon gelten 7 Spezies als weit verbreitet und häufig. Hummeln bewohnen unterschiedliche Lebensräume, sind aber immer auf nektar- und pollenreiche Pflanzen angewiesen. Bis auf eine Art sind sie Nahrungsgeneralisten und besuchen eine große Bandbreite an Blütenpflanzen. Ihre oft lange Zunge macht sie insbesondere für tiefe Blüten zum vorherrschenden Bestäuber.

Wiesenhummel
(c) Karin-Simone Hauth/NABU-naturgucker.de
(c) Karin-Simone Hauth/NABU-naturgucker.de
Mit ihrem dichten Pelz und ihren stämmigen Proportionen sind Hummeln besonders kälteresistent. Schon bei Temperaturen im niedrigen einstelligen Bereich sind sie unterwegs, weshalb erste überwinternde Jungköniginnen teils schon im Spätwinter beobachtet werden können. Wenn sie mit ihren Brustmuskeln zittern, können sich Hummeln selbst auf bis zu 30 Grad erwärmen. Sie sind daher in Höhenlagen die dominierenden Arten und von Natur aus Bewohner der kühleren Breiten. Die Intensivierung der Landwirtschaft mit dem Verlust von artenreich blühenden Flächen und Hecken, der Ausbreitung von Monokulturen und dem Einsatz von Insektiziden bringt die Hummeln wie so viele andere Insekten allerdings in Bedrängnis. 48 Prozent der 557 in der Roten Liste 2011 bewerteten Bienenarten in Deutschland sind in ihrem Bestand gefährdet oder bereits ausgestorben.[1] Um die Bestandsentwicklungen der Hummeln und ihre Artenvielfalt im Blick zu behalten, betreibt NABUlnaturgucker die Meldeaktion → Hummeln & Co.. Interessierte Naturbeobachtende werden dazu aufgerufen, ihre Beobachtungen der plüschigen Wildbienen zu melden.[2] Wer Hummeln auf dem Balkon oder im Garten fördern möchte, findet dazu viele Informationen im → Lernangebot Garten Grundwissen hier in der Akademie oder beim NABU: → Das Hummeljahr beginnt.

Erdhummeln
(c) Dorothea Bellmer/NABU-naturgucker.de
(c) Dorothea Bellmer/NABU-naturgucker.de
Zahlreiche Forschende weltweit beschäftigen sich mit Hummeln, ihrem Verhalten und den Auswirkungen beispielsweise von Landwirtschaftspraktiken oder Klimawandel auf diese wichtigen Bestäuber von Wild- und Nutzpflanzen. Forschende der Universität Regensburg haben untersucht, wie Hitze die Entwicklung der Puppen der → Dunklen Erdhummel (Bombus terrestris) beeinflusst. Diese sehr häufige und ungefährdete Spezies kommt in nahezu allen strukturreichen Lebensräumen vor, häufig auch in Siedlungen. Unter kontrollierten Laborbedingungen wurden die Puppen über Zeiträume von 3 bis 7 Tagen thermischem Stress bei 36 bis 38° Celsius ausgesetzt. So konnten die direkten physiologischen Auswirkungen der Temperatur auf ihre Entwicklung bewertet werden. Bei 38° Celsius reduzierte sich die Schlupfrate um das Zwei- bis Fünffache, und Deformationen der Flügel nahmen um das Vier- bis Siebenfache zu. Mit deformierten Flügeln fliegen Hummeln schlechter und können dadurch weniger bestäuben und zur Versorgung ihrer Kolonie beitragen. Erhöhter thermischer Stress beeinträchtigt die Puppenentwicklung offenbar selbst bei einer noch relativ hitzetoleranten Hummelart wie der Dunklen Erdhummel. Daher erwarten die Forschenden bei kälteresistenteren Spezies eine noch größere Anfälligkeit.[3]

Ackerhummel
(c) Hartmut Glinkemann/NABU-naturgucker.de
(c) Hartmut Glinkemann/NABU-naturgucker.de
Die Auswirkungen von Dürre auf den Fortpflanzungserfolg der → Ackerhummel (Bombus pascuorum) haben Forschende der Universität Würzburg untersucht. Auch diese Spezies ist bei uns sehr häufig, ungefährdet und ein ausgeprägter Kulturfolger, der eine große Vielzahl an Pflanzenarten besucht. In einem Feldversuch wurden Kolonien der Ackerhummel zwischen dem Dürrejahr 2022 und dem klimatisch durchschnittlichen Jahr 2024 verglichen. Dazu wurden von wilden Königinnen gegründete Kolonien in 25 hochwertigen, naturnahen Wiesen in Unter- und Oberfranken angesiedelt. Im Dürrejahr lebten die Kolonien kürzer, und sowohl ihr Gewicht als auch die Zahlen der geschlüpften Männchen und Königinnen waren stark reduziert. Im Dürrejahr erreichten die Kolonien nur ein Durchschnittsgewicht von 14 Gramm, während es im Normaljahr 140 Gramm waren. Wurden die Kolonien zusätzlich mit Zuckerwasser gefüttert, flogen im Dürrejahr mehr Männchen aus, und das Koloniegewicht lag höher, aber immer noch deutlich unter dem der Kolonien aus dem Normaljahr. Auf die Zahl der Königinnen hatte die Zufütterung keinen Einfluss, was auf den Mangel an eiweißreichen Pollen bei Dürre zurückgeführt wird. Fliegen keine Königinnen aus, kann sich im nachfolgenden Jahr keine neue Generation entwickeln, und die Population könnte lokal aussterben. Aus Sicht der Forschenden bedrohen immer häufiger auftretende Dürren selbst in artenreichen Schutzgebieten die Hummelpopulationen und damit die von ihnen geleistete Bestäubung von Pflanzen. Sie empfehlen die Förderung von Bäumen als Schattenspendern in offenen Graslandschaften sowie von Feuchtgebieten, damit mehr Wasser im Boden gehalten werden kann.[4]
[3] Sandra Laußer, Christoph Kurze; Impact of thermal stress during pupal development in a key pollinator. Proc Biol Sci 1 December 2025; 292 (2061): 20252029. DOI: → 10.1098/rspb.2025.2029
[4] Hanno Korten, Ingolf Steffan-Dewenter; Drought events reduce reproductive success of a long-tongued bumblebee species. Proc Biol Sci 1 April 2026; 293 (2069): 20253056. DOI: → 10.1098/rspb.2025.3056