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Monitoring für (neue) Ameisenarten in Deutschland notwendig

Siebert, Ina [Ina Siebert1] - 24. Apr 2026, 08:00
Ob im Wald, auf der Wiese oder in unseren Gärten – → Ameisen (Formicidae) sind allgegenwärtig und leisten Enormes für die Ökosysteme. Sie jagen andere Insekten und sind selbst Nahrung zahlreicher Tiere wie Insekten, Spinnen und Vögel, beispielsweise des → Grünspechts (Picus viridis). Ameisen verbreiten außerdem Samen von Pflanzen und durchmischen und verbessern den Boden. In ihren Kolonien hat jedes Individuum seine Aufgabe.
Merkmale der Großen Drüsenameise, (c) Magdalena Sorger, DiscoverAnts.com
Merkmale der Großen Drüsenameise
(c) Magdalena Sorger, DiscoverAnts.com
Der Roten Liste von 2011 zufolge gelten in Deutschland 116 Ameisen-Arten als etabliert. 8 Spezies davon sind durch den Einfluss des Menschen hierhergelangt.[1] Erstmals 2009 wurde die vermutlich aus Nordafrika stammende → Große Drüsenameise (Tapinoma magnum) in Deutschland entdeckt. Wahrscheinlich ist sie mit Pflanzentransporten hierher gelangt. Als regionaltypisch gilt sie im südlichen Mittelmeerraum, wo sie vor allem offene Standorte besiedelt. In Mitteleuropa tritt sie im Siedlungsraum auf und sorgt dann für Aufmerksamkeit, wenn sie mit ihren Superkolonien aus mehreren Nestern in Stromkästen nistet oder sich Bürgersteige durch ihre Aktivitäten absenken. Für den Menschen ist die Große Drüsenameise nicht gesundheitsschädlich. Sie wird jedoch als ökologisch problematisch für die lokale Artenvielfalt betrachtet. Mit der → Meldeaktion Tapinoma will NABU|naturgucker dazu beitragen, die Vorkommen der Art genauer zu dokumentieren und durch gezielte Beobachtungen mehr über ihr Verhalten zu erfahren – und so die Arbeit der Forscher*innen zu unterstützen. Wichtig für die Bestimmung ist mindestens eine, besser sind mehrere scharfe Nahaufnahmen aus verschiedenen Winkeln. Auch kurze Videos sind sehr hilfreich, um die Art und ihr Verhalten darzustellen. Einzelfotos ohne Maßstab oder Kontext erlauben meist keine sichere Artzuordnung.[2]
In Deutschland seltene und gefährdete Art: Vierpunkt-Drüsenameise, (c) Jürgen Seibel/NABU-naturgucker.de
In Deutschland seltene und gefährdete Art: Vierpunkt-Drüsenameise
(c) Jürgen Seibel/NABU-naturgucker.de
Bei einem BioBlitz 2025, bei dem es an einem Tag im Juni um die Arteninventur in Stuttgart ging, entdeckten Forschende des Naturkundemuseums Stuttgart, der Universität Hohenheim und von Senckenberg erstmals in Deutschland eine Kolonie der Asiatischen Nadelameise (Brachyponera chinensis). Sie gehen davon aus, dass diese Kolonie auch den Winter übersteht. Vermutlich sind die ersten Tiere mit Topfpflanzen oder anderen Transporten unbeabsichtigt eingeführt worden. In den USA kommt die ostasiatische Spezies seit 1932 vor und hat hier bereits lokale Arten verdrängt. Zudem kann ihr Stich allergische Reaktionen auslösen. In der Europäischen Union wird die Spezies als potenziell besonders schädliche invasive Art eingestuft. Die Forschenden sehen in ihrem ersten gesicherten Nachweis der Asiatischen Nadelameise die Notwendigkeit, mit gezieltem Monitoring die Ameisenfauna in Deutschland besser im Blick zu behalten. Schutzmaßnahmen sind nur möglich, wenn bekannt ist, welche Spezies zurückgehen oder sich ausbreiten. Durch den Klimawandel können sich wärmeliebende Arten aus anderen Regionen auch in Mitteleuropa erfolgreich ansiedeln. Es ist die Frage, ob sich die Asiatische Nadelameise im urbanen Raum etablieren kann.[3]

[3] Boudinot, B.E., Palm, B., Bellersheim, A., Richter, A., Grunicke, D., Härtel, M.P. & Haas-Renninger, M. (2026) BioBlitzed: The first record of Brachyponera chinensis (Emery, 1895) in Germany (Hymenoptera: Formicidae). Zootaxa, 5785 (1), 188–194. DOI: → 10.11646/zootaxa.5785.1.11

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