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Wie geht es dem Igel, und wie kann er besser geschützt werden?

Siebert, Ina [Ina Siebert1] - 10. Apr 2026, 08:30
Noch gilt der → Igel (Erinaceus europaeus) in Deutschland als häufig, doch seine Bestände gehen zurück. Nicht bekannt ist das Ausmaß dieses Rückgangs. Straßenverkehr, der bis zu einem Drittel der Tiere töten soll, und der Einsatz von Mährobotern gelten als die größten Risiken für den Insektenfresser. Er steht deshalb auf der Vorwarnliste der Roten Liste.
Igel, (c) Hubertus Schwarzentraub/NABU-naturgucker.de
Igel
(c) Hubertus Schwarzentraub/NABU-naturgucker.de
Bis in den März oder April ist der Igel im Winterschlaf und zehrt von seinen im Herbst angelegten Fettpolstern. Bei hohen Temperaturen kann er zwischendurch aufwachen, was bei gesunden Tieren normal und kein Grund zur Sorge ist. Fallen die Temperaturen, zieht er sich schnell wieder zurück. Nur wenn ein Igel auffallend unterernährt oder krank ist, sollte er versorgt oder einer Igelstation übergeben werden. Der NABU rät: „Gefüttert werden sollte nur frisches Feucht- oder Trockenfutter für Katzen, keinesfalls Speisereste oder Hundefutter. Bei Trockenfutter eine Schale mit stets sauberem Wasser zum Trinken bereitstellen und nicht gefressenes Futter durch frisches austauschen. Igel brauchen viel Eiweiß und Fett, die aufgenommen Kohlenhydrate durchs Fressen von Insekten sind unverdaulich und dienen lediglich als Ballaststoffe.“[1]
Igel in einem Garten, (c) Ulrich Köller/NABU-naturgucker.de
Igel in einem Garten
(c) Ulrich Köller/NABU-naturgucker.de
2023 wurde die Meldeaktion „Deutschland sucht Igel & Maulwurf“ ins Leben gerufen, um die Aufmerksamkeit auf diese beiden Säugetierarten zu lenken und notwendige Beobachtungsdaten zu sammeln. Igel-Bestände schwanken sowohl jährlich als auch räumlich stark, weshalb ein langfristiges Monitoring notwendig ist. Die bislang vorhandenen Daten reichen nicht aus, um die Anzahl und Entwicklung der Tiere in Deutschland zuverlässig beurteilen zu können. Das Monitoring ist ein gemeinsames Projekt von der Deutschen Wildtier Stiftung, NABU|naturgucker, dem Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung, der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft 1822, dem NABU Bundesverband und dem Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern e. V. Prominente Unterstützer der Mitmach-Aktion sind Janoschs Tiger und Bär. Bürger*innen werden verstärkt in zwei Aktionszeiträumen im Mai und im September dazu aufgerufen, Beobachtungen und Fotos von Igeln sowie → Europäischen Maulwürfen (Talpa europaea) und Maulwurfshügeln über die → Aktionsseite Igel & Maulwurf zu melden. Der nächste Meldezeitraum ist der 15. bis 25. Mai 2026 – ganzjährige Eintragungen sind natürlich willkommen.[2]
Igel, (c) Harald Bott/NABU-naturgucker.de
Igel
(c) Harald Bott/NABU-naturgucker.de
Wer Igel sehen möchte, muss in der Regel nach der Dämmerung mit einer Taschenlampe auf die Suche gehen. Dabei hilft es, den Ohren zu folgen, denn Igel sind keine heimlichen Tiere: Sie rascheln, schnaufen, schmatzen, knacken Beute oder fauchen und keckern, wenn sie auf andere Igel oder Feinde treffen. Wie und was sie selbst hören, ist bislang kaum untersucht worden. Forschende der University of Oxford haben anhand von Hörtests mit 20 Tieren aus dänischen Auffangstationen festgestellt, dass Igel weit höhere Töne hören können als angenommen. Die gemessenen Hörschwellen lagen im Bereich von 4 bis 85 kHz mit einer maximalen Empfindlichkeit bei 40 kHz. CT-Scans verstorbener Individuen zeigten, dass der innere Aufbau der Ohren an diese Töne angepasst ist. Igel können also einen breiten Ultraschallbereich wahrnehmen, was beim Richtungshören, der Beuteortung und der Kommunikation eine Rolle spielen könnte. Diese Erkenntnisse über die Sinnesbiologie von Igeln können laut den Forschenden wichtige Informationen für die potenzielle Entwicklung von Ultraschall-Abwehrmitteln liefern, mit denen die Zahl der Verkehrsunfälle und Lebensraumstörungen verringert werden könnte.[3]

[3] Sophie Lund Rasmussen, David W. Macdonald, Rikke Nora Rosenkvist Hansen, Heidi Maria Thomsen, Henrik Lauridsen, Aage Kristian Olsen Alstrup, Jakob Christensen-Dalsgaard; Hearing and anatomy of the ear of the European hedgehog Erinaceus europaeus. Biol Lett 1 March 2026; 22 (3): 20250535. DOI: → 10.1098/rsbl.2025.0535

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