NABU|naturgucker Akademie

Wissen

Hintergründe und Neues aus der Forschung leicht verständlich erklärt

Funktionen

Wasseramseln kommunizieren blinzelnd und singend

Siebert, Ina [Ina Siebert2] - 27. Mär 2026, 08:28
Diese Singvogelart beherrscht das Wasser: Schon die Nestlinge der → Wasseramsel (Cinclus cinclus): können schwimmen und tauchen, und das, bevor sie erstmals in die Lüfte steigen. Wasseramseln leben an schnell fließenden und sauberen Gewässern mit einem Untergrund aus Geröll, Kies und Sand. In Deutschland kommt sie vor allem im Wald- und Bergland in der Mitte und im Süden vor.
Wasseramsel, (c) Volker Saß/NABU-naturgucker.de
Wasseramsel
(c) Volker Saß/NABU-naturgucker.de
Ihr ganzer Körper ist auf das nasse Element ausgerichtet. Die Öffnungen am Schnabel können sie mit Häuten verschließen; mit einer halbtransparenten Nickhaut schützen sie ihre Augen. Besonders dicht und isolierend ist ihr Federkleid, das sie zudem aus einer großen Bürzeldrüse imprägnieren können. Halt finden sie mit kräftigen Zehen und spitzen Krallen. Während die meisten Vögel teils hohle Knochen haben, sind die der Wasseramseln bis auf den Schädelknochen mit Mark gefüllt. Dadurch sind sie schwerer. Um sich wirklich gewandt bewegen zu können, benötigen die Wasseramseln noch etwas Physik und Technik. Sie stemmen sich in einer schrägen Haltung gegen die Strömung und lassen sich auf den Grund drücken. Dort können sie sogar mit ihren kurzen, rundlichen Flügeln gegen die Strömung laufen. Verändern sie ihre Haltung, schießen sie direkt zurück an die Luft.
Wasseramsel blinzelt und singt, (c) Jürgen Podgorski/NABU-naturgucker.de
Wasseramsel blinzelt und singt
(c) Jürgen Podgorski/NABU-naturgucker.de
Auch ihre Kommunikation ist an die Bedingungen ihres Lebensraums angepasst. Schnell fließende Flüsse können laut sein, weshalb eine Wasseramsel nicht allein mit Gesang ihr Revier verteidigen oder potenzielle Partner auf sich aufmerksam machen kann. Zudem singt sie im Vergleich zu anderen Vogelarten eher leise. Eine Studie unter Leitung von Forschenden des Max-Planck-Instituts für biologische Intelligenz und der Lancaster University hat gezeigt, dass Wasseramseln zur Kommunikation auch mit ihren auffälligen weißen Augenlidern blinzeln. Dieses Signalverhalten ist bislang unterschätzt worden. Verstärkt blinzeln sie, wenn Artgenossen anwesend sind und es besonders laut ist, während sie ihren Gesang unter diesen Umständen leiser vortragen. Möglicherweise können sie am Blinzeln bei einer Revierstreitigkeit auch die Aggressivität des Gegners ablesen. Wasseramseln reagieren in ihrem Verhalten also flexibel auf die jeweils herrschenden Bedingungen. Dieser Wechsel zwischen verschiedenen Sinnen bei der Kommunikation ist bislang erst bei wenigen Taxa beobachtet worden. Angesichts der Häufigkeit von Geräuschen in Lebensräumen könnten solche plastischen und multimodalen Kommunikationsstrategien weiter verbreitet sein als derzeit angenommen.[1]
Jagende Wasseramsel, (c) Jens Winter/NABU-naturgucker.de
Jagende Wasseramsel
(c) Jens Winter/NABU-naturgucker.de
Wasseramseln jagen von Insektenlarven bis zu kleinen Fischen so gut wie alles, was tierisch ist. Meist machen sie ihre Beute unter Wasser, teils auch schwimmend von der Oberfläche weg. Dabei sind sie weniger behände als im Tauchgang. Gut beobachten lassen sie sich, wenn sie von Steinen in den Gewässern aus nach der nächsten Nahrungsquelle Ausschau halten. Dabei knicksen sie häufig oder tauchen schon mal den Kopf unter Wasser. Wasseramseln bleiben ihrem Revier treu, und das auch im Winter, solange das Gewässer nicht zufriert. Bewährte Neststandorte werden Jahr für Jahr wieder bezogen. Wer Vorkommen der Wasseramsel kennt, kann sie also dort relativ zuverlässig antreffen.

[1] Léna de Framond, Stuart P. Sharp, Kevin Duclos, Thejasvi Beleyur, Henrik Brumm: Stream noise induces song plasticity and a shift to visual signals in a riverine songbird. Current Biology 35, 4570–4576, September 22, 2025. DOI: → 10.1016/j.cub.2025.07.049

Funktionen

Bisher wurde noch kein Kommentar abgegeben.