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Vogelbeobachtung kann lange geistige Fitness unterstützen

Siebert, Ina [Ina Siebert1] - 13. Mär 2026, 08:20
Gute Nachricht für alle Vogelbeobachtenden: Dieses Hobby bringt nicht nur besondere Erfahrungen und Freude, sondern zahlt sich auch für die Leistungen ihres Gehirns aus. Schon lange widerlegt ist der Spruch „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“. Menschen können ihr ganzes Leben lang lernen, und ihr Gehirn kann sich das ganze Leben über an neue Bedingungen und Einflüsse anpassen. Nur so kommen wir in einer sich wandelnden Umwelt zurecht.
Vogelbeobachter*innen, (c) Regine Schadach/NABU-naturgucker.de
Vogelbeobachter*innen
(c) Regine Schadach/NABU-naturgucker.de
Die Veränderbarkeit der neuronalen Verbindungen im Gehirn wird als Neuroplastizität bezeichnet. Derartige Verbindungen sind nicht starr, sondern können sich beispielsweise durch Lernen verändern.[1] Forschende des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf und aus Jena haben in mehreren Studien nachgewiesen, dass das Gehirn sowohl nach Abschluss des Reifungsprozesses im Alter von etwa 20 Jahren als auch bei 60-jährigen Personen mit neuen Aufgaben wachsen kann. Dazu sollten Probanden in drei Monaten jonglieren lernen. Mittels Kernspintomographie vor und nach der Trainingsphase sowie dem Vergleich mit untrainierten Personen zeigte sich, dass auch bei der älteren Generation mehrere Gehirnregionen vergrößert waren: der Hippocampus, der für das Lernen zuständig ist, der Nucleus accumbens, der zum Belohnungssystem gehört, und der visuelle Assoziationscortex, mit dessen Hilfe wir Bewegung im Raum wahrnehmen. Neue Herausforderungen und Lernen sind daher aus Sicht der Forschenden auch und gerade für ältere Menschen wichtig.[2] 
Vogelbeobachter*innen, (c) Klaus Ewald/NABU-naturgucker.de
Vogelbeobachter*innen
(c) Klaus Ewald/NABU-naturgucker.de
Nun zu den Vogelbeobachtenden: Sie trainieren dank ihrer Leidenschaft regelmäßig Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und Gedächtnis. Wie sich das auf ihr Gehirn auswirkt, haben kanadische Forschende in einem Vergleich von 29 Vogelkundler*innen mit 29 Lai*innen untersucht. Dazu mussten die beiden im Alter vergleichbaren Personengruppen während einer funktionellen Magnetresonanztomografie Vögel erkennen. Für vier Sekunden sahen sie das Bild eines Vogels. Anschließend wurden vier ähnliche Bilder gezeigt, unter denen sie die zuvor gesehene Art benennen sollten. Erwartungsgemäß gelang das den Vogelfans besser, auch bei nichtheimischen Arten. Bei derartigen Beispielen waren ihre Hirnregionen für Aufmerksamkeit und Wahrnehmung besonders aktiv. Generell zeigten diese Regionen bei ihnen dauerhafte strukturelle Veränderungen. Daraus schließen die Forschenden, dass Wissenserwerb den altersbedingten Rückgang in bestimmten Hirnregionen, die die Leistung von Expert*innen unterstützen, abmildern könnte. Nur mit umfangreichem Training lässt sich fachspezifisches Wissen erwerben. Das führt zu Veränderungen in der Gehirnstruktur, die bereits in Bereichen wie Musik, Leichtathletik und Navigation festgestellt worden sind.[3]

[3] Erik A. Wing, Jordan A. Chad, Geneva Mariotti, Jennifer D. Ryan, Asaf Gilboa: The tuned cortex: Convergent expertise-related structural and functional remodeling across the adult lifespan. Journal of Neuroscience 23 February 2026, e1307252026. DOI: → 10.1523/JNEUROSCI.1307-25.2026

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