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Artenzahlen der Bienen deutlich höher als bislang bekannt

Siebert, Ina [Ina Siebert1] - 27. Feb 2026, 08:45
Nur mit zuverlässigen Daten zur Anzahl der Arten lässt sich ihr Rückgang erkennen und erfassen. Während Vögel und Säugetiere gut untersucht sind, bestehen in vielen anderen Klassen große Unsicherheiten zur Zahl der Spezies. Zudem sind taxonomisches Wissen und taxonomische Forschung auf der Welt ungleich verteilt. Genauere Kenntnisse über die Artenvielfalt sind wichtig, da diese die Widerstandsfähigkeit von Ökosystemen, den Naturschutz, die Politik und das Verständnis von Evolutionsprozessen beeinflusst.
Glockenblumen-Schmalbiene, Wildbiene des Jahres 2026, (c) Jann Wübbenhorst/NABU-naturgucker.de
Glockenblumen-Schmalbiene, Wildbiene des Jahres 2026
(c) Jann Wübbenhorst/NABU-naturgucker.de
Aktuell sind etwa 2,2 Millionen Arten auf der Erde beschrieben. Jährlich kommen rund 18.000 Pflanzen-, Pilz- und Tierspezies hinzu, von denen 75 Prozent Wirbellose sind. Mit 1 Millionen Spezies stellen Insekten den Großteil der beschriebenen Arten. Schätzungen zufolge sollen es 2,6 bis 7,8 Millionen sein. Selbst bei den am besten untersuchten Insektentaxa gibt es keine sicheren Angaben. Ein internationales Forschungsteam hat nun die Artenzahlen der Bienen für 186 Staaten statistisch quantifiziert. Demzufolge soll es insgesamt 24.705 bis 26.164 Spezies weltweit und 3.771 bis 5.230 noch unbeschriebene Arten geben. Die größte taxonomische Lücke besteht mit 2.525 Spezies in Asien (inklusive des Nahen Ostens), wobei auch in Europa noch 568 zu entdecken sind. In der Türkei sind es mit 843 Arten mehr als in ganz Kontinentaleuropa.
Fleckenbiene (unbestimmt) in Sri Lanka, (c) Alexander Schäfferling/NABU-naturgucker.de
Fleckenbiene (unbestimmt) in Sri Lanka
(c) Alexander Schäfferling/NABU-naturgucker.de
Seit 1960 werden jährlich 117 Bienenspezies neu beschrieben. Laut dem Forschungsteam liegt diese verhältnismäßig geringe Zahl eher an taxonomischen Engpässen als an der tatsächlichen Zahl noch nicht bekannter Spezies. Bei dieser Rate dauert es noch 32 bis 45 Jahre, um die taxonomische Lücke zu schließen. Angesichts der ungleichen Finanzierung von Forschung und der nach wie vor rückläufigen Unterstützung für die Taxonomie könnte diese Schätzung noch konservativ sein. Das Team schlägt vor, Länder mit geringerer taxonomischer Forschungskapazität zu priorisieren. Wohlhabende Länder sollten darauf hinarbeiten, regionale Kapazitäten und Kooperationen aufzubauen, um Defizite zu beheben. Außerdem sollte die molekulare Arterkennung verstärkt angewendet werden.[1]

[1] Dorey, J.B., Gilpin, AM., Johnston, N.P. et al. Estimating global bee species richness and taxonomic gaps. Nat Commun 17, 1762 (2026). DOI: → 10.1038/s41467-026-69029-4

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