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Bären passen ihre Ernährung an die Umweltbedingungen an

Siebert, Ina [Ina Siebert1] - 20. Feb 2026, 08:29
Das größte landlebende Raubtier in Europa ist der → Braunbär (Ursus arctos). Als Allesfresser ernährt er sich nicht nur von Fisch, Fleisch, Aas und Insekten, sondern hauptsächlich pflanzlich von Obst, Nüssen, Wurzeln und Samen. Er ist tag-, dämmerungs- und nachtaktiv. Zwei bis sechs Monate hält er Winterruhe und zehrt von den Fettreserven aus dem Herbst. In dieser Zeit kommen auch die zunächst kleinen und wenig entwickelten Jungtiere zur Welt.
Braunbären in Slowenien, (c) Thomas Reinhardt/NABU-naturgucker.de
Braunbären in Slowenien
(c) Thomas Reinhardt/NABU-naturgucker.de
Ursprünglich war der Braunbär in ganz Europa verbreitet, aber durch Waldrodungen und Bejagung ist er sehr stark zurückgedrängt worden. Er benötigt große Wälder mit reichhaltigem Nahrungsangebot und genügend Rückzugsräumen, insbesondere der Möglichkeit, die Winterruhe in Höhlen zu verbringen. In Europa (außerhalb Russlands) kommt er heute vor allem in den Karpaten, dem westlichen Balkan und in Skandinavien vor. Schätzungsweise 60 Tiere sind es in den Alpen. Zwar kann ein Braunbär durchschnittlich 20 bis 30 Jahre alt werden, doch erreicht er im Durchschnitt nur 6 Jahre. Mangelernährung, Krankheiten, Bejagung und Verkehrsunfälle sind die häufigsten Todesursachen. Seine Nahrung ist je nach Verbreitungsgebiet bis zu drei Vierteln pflanzlich. Um ausreichende Fettreserven aufzubauen, muss er im Herbst täglich etwa 20.000 Kalorien verzehren.[1] Grob gesagt entspricht das dem Zehnfachen dessen, was ein erwachsener Mensch durchschnittlich pro Tag an Kalorien benötigt.
Schwarzbär in Kanada, (c) Alexander Wirth/NABU-naturgucker.de
Schwarzbär in Kanada
(c) Alexander Wirth/NABU-naturgucker.de
Ein europäisch-kanadisches Forschungsteam hat die Flexibilität der Ernährung von sieben Bärenarten untersucht. Je nach Verfügbarkeit von Nahrungsressourcen und Klima passen sich die meisten Bärenarten an und erfüllen dabei unterschiedliche ökologische Rollen, indem sie jagen, Aas verzehren, Samen verbreiten oder Pflanzen zu sich nehmen. Ausnahmen sind der → Große Panda (Ailuropoda melanoleuca), der sich ausschließlich pflanzlich ernährt, und der → Eisbär (Ursus maritimus), der fast ausschließlich von Fleisch lebt. In ihrem gesamten Verbreitungsgebiet bevorzugen Bären in unproduktiven Ökosystemen mit kurzen Vegetationsperioden tierische Kost, in produktiven Ökosystemen mit langen Vegetationsperioden dagegen pflanzliche. Untersuchungen an fossilen Bärenknochen aus naturhistorischen Sammlungen zeigen, dass sich der Braunbär in Europa nach dem Ende der Eiszeit an die veränderten Umweltbedingungen angepasst und stärker pflanzlich ernährt hat. Bären stehen in der Nahrungskette ganz oben. Wenn sie von Räubern stärker zu Pflanzenfressern werden, hat das Auswirkungen auf die Nahrungsnetze und die Ökosystemfunktionen. Wie Allesfresser wie die Bären auf Umweltveränderungen reagieren, kann ein Indikator für Umbrüche in Ökosystemen sein.[2]

[2] Albrecht, J., Bocherens, H., Hobson, K.A. et al. Dynamic omnivory shapes the functional role of large carnivores under global change. Nat Commun 16, 10896 (2025). DOI: → 10.1038/s41467-025-65959-7

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