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Größere Insektenvielfalt in Siedlungen als auf intensiv genutzten Wiesen

Siebert, Ina [Ina Siebert1] - 13. Feb 2026, 08:48
Wann war die Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren in der Feldflur in Deutschland am höchsten? Zur Blütezeit des Römischen Reiches, als neue Pflanzen wie der Wein bei uns angebaut wurden? Nach der Entdeckung der neuen Welt, als z.B. die Kartoffel in Europa eingeführt wurde? Die meisten Arten lebten an der Schwelle zum 20. Jahrhundert in der Feldflur. Damals wurden die landwirtschaftlichen Flächen ausgedehnt, aber es gab noch keine Flurbereinigung oder starken Einsatz von Düngern und Pestiziden.
Weißbindiges Wiesenvögelchen auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz in Franken, (c) Angelika Nijhoff/NABU-naturgucker.de
Weißbindiges Wiesenvögelchen auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz in Franken
(c) Angelika Nijhoff/NABU-naturgucker.de
Mit dem Begriff Feldflur wird der landwirtschaftlich genutzte Teil unserer Kulturlandschaft beschrieben. 50,2 Prozent der Fläche in Deutschland werden landwirtschaftlich genutzt. Wälder bedecken 29,9 Prozent des Landes, Siedlungen und Verkehr 14,6 Prozent. Gewässer machen 2,3 Prozent aus. Zu den übrigen, sonstigen Flächen zählen beispielsweise Kiesgruben, ehemaliges Militärgelände, Heiden, Moore und Sümpfe. Siedlungs- und Verkehrsflächen nehmen zu, während der Anteil landwirtschaftlich genutzter Flächen zurückgeht. Biologische Vielfalt und Umweltbelastung werden von der Art der Flächennutzung beeinflusst – so finden Pflanzen- und Tierarten bei extensiver Landwirtschaft in der Regel gute Lebensbedingungen. Intensive landwirtschaftliche Nutzung beispielsweise durch Düngung, Entfernung von Hecken und Baumgruppen oder Begradigung von Gewässern zerstört dagegen Biotope. Für Siedlungen und Verkehr werden Böden versiegelt, und sie zerschneiden die Lebensräume von Pflanzen und Tieren.[1]
Moschusbock in Oberfranken, (c) Werner Knoth/NABU-naturgucker.de
Moschusbock in Oberfranken
(c) Werner Knoth/NABU-naturgucker.de
In Bayern hat ein Forschungsteam unter Leitung der Universität Würzburg untersucht, wie homogen Gemeinschaften von Insekten auf vom Menschen genutzten Flächen sind. Dazu untersuchten sie Wälder, bewirtschaftete Wiesen, Äcker und Siedlungen. Auf 179 Flächen sammelten sie Proben in Malaise-Fallen, in denen DNA von 11.387 Gliederfüßern gefunden und analysiert wurde. 42 Prozent der Proben ließen sich auf Artebene bestimmen; sie gehörten zu 38 verschiedenen Ordnungen. Von „biotischer Homogenisierung“ wird gesprochen, wenn Lebensgemeinschaften nicht mehr spezialisierte Arten beinhalten und sich zwischen verschiedenen Regionen unterscheiden, sondern wenig anspruchsvolle Arten überall vorkommen. Tatsächlich lebten auf Wiesen der Untersuchung zufolge die homogensten Gemeinschaften. Siedlungen und Äcker dagegen zeigten entgegen den vorherigen Erwartungen eine größere Vielfalt und eine geringere Homogenisierung. Begründet wird das mit den kleinteiligen Strukturen der bayerischen Landwirtschaft und den vielfältigen Grünflächen in Siedlungen. Bei den Wiesen führen starke Düngung und häufige Mahd zu einer Angleichung der Lebensgemeinschaften, ob sie nun im Allgäu oder in Franken liegen. Auch in forstlich genutzten Wäldern gleichen sich die Lebensbedingungen und die Artengemeinschaften zwischen den verschiedenen Regionen. Lebensräume müssen in einer übergeordneten Landschaftsplanung besser miteinander vernetzt werden, damit sich spezialisierte Arten ausbreiten können. Grünland sollte weniger gedüngt und seltener gemäht werden, um ökologische Nischen zu schaffen. Beides kann dem Trend zur Homogenisierung entgegenwirken.[2]
Ackerhummel auf einem Freizeitgelände an einem bayerischen See, (c) Kathrin Middelhoff/NABU-naturgucker.de
Ackerhummel auf einem Freizeitgelände an einem bayerischen See
(c) Kathrin Middelhoff/NABU-naturgucker.de

[2] Decker, O., Uhler, J., Redlich, S. et al. Distance-decay reveals contrasting effects of land-use types on arthropod community homogenisation. Nat Commun 17, 763 (2026). DOI: → 10.1038/s41467-025-67612-9

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