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Wie verhalten sich Eichhörnchen über das Jahr und in der Stadt?
Siebert, Ina [Ina Siebert2] - 6. Feb 2026, 08:35
In Wäldern mit alten Baumbeständen wie in Dörfern und Städten können wir → Eichhörnchen (Sciurus vulgaris) häufig beobachten. Solange Gärten und Parks genügend Möglichkeiten für Nahrung und Unterschlupf bieten, halten sie sich auch in unserer Nähe auf. Sie sind tagaktiv und einzelgängerisch – nur zur Paarung kommen Weibchen und Männchen zusammen. Obwohl sie so verbreitet und auch beliebst sind, ist über ihre genaue Lebensweise im Jahresverlauf vieles noch nicht bekannt.

Eichhörnchen mit Jungtier
(c) Jens Winter/NABU-naturgucker.de
(c) Jens Winter/NABU-naturgucker.de
So wissen wir nicht sicher, wie oft und wann sie im Jahr Nachwuchs haben, wie viele Jungtiere es pro Wurf sind und wie viele davon überleben. Um Trends zu erkennen und vorhersagen zu können, wie sich ihre Populationen entwickeln, sind derartige Daten jedoch wichtig. Das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW), NABU und NABU|naturgucker haben deshalb im Jahr 2024 Bürger*innen dazu aufgerufen, so oft wie möglich Eichhörnchen an einem selbst gewählten Standort – ob Balkon, Garten oder Park – zu beobachten und zu melden. Kontinuierliche Langzeitbeobachtungen können im Gegensatz zu Zufallssichtungen auch Antworten auf komplexere Fragestellungen liefern: Wie gut können sich Eichhörnchen an Klimawandel oder Verstädterung anpassen? Gibt es innerhalb Deutschlands Unterschiede oder sogar ein deutliches Gefälle, was Anzahl der Jungtiere, Wurfhäufigkeit oder Fortpflanzungszeitpunkt angeht?

Eichhörnchen am Boden
(c) Birgit Schmidt/NABU-naturgucker.de
(c) Birgit Schmidt/NABU-naturgucker.de
Seit diesem Aufruf hat sich die Zahl der Eichhörnchen-Meldungen auf dem Portal von NABU|naturgucker vervielfacht – von 3.265 im Jahr 2023 auf 27.291 im Jahr 2024. Ersten Ergebnissen zufolge sind erwachsene Eichhörnchen besonders häufig im Februar und März beobachtet worden, am seltensten im Juni und Juli (insgesamt 10.605 Beobachtungen im Jahr 2024). Zwischen Februar und August wurden Eichhörnchen gemeldet, die Junge tragen, mit einer deutlichen Spitze im April (79 Sichtungen). Im Mai und Juni sind besonders viele Jungtiere eingetragen worden (insgesamt 1.319 Sichtungen).[1] Weitere Auswertungen werden folgen. Die → Meldeaktion Eichhörnchen wird als Langzeitmonitoring fortgesetzt.

Eichhörnchen in Berlin
(c) Monika Hasry/NABU-naturgucker.de
(c) Monika Hasry/NABU-naturgucker.de
Am Leibniz-IZW laufen weitere Untersuchungen zu Eichhörnchen. Im bürgerwissenschaftlichen Projekt „Wildtierforscher Berlin“ haben rund 200 Freiwillige für jeweils vier Wochen im Frühling und Herbst 2019 und 2020 Wildtierkameras in ihren Gärten aufgehängt. Forschende des IZW haben die Bilder von Eichhörnchen, Katzen und → Steinmardern (Martes foina) ausgewertet und Muster in den tageszeitlichen Aktivitäten und der Vermeidung von Beutegreifern entdeckt. Während die Anwesenheit von Menschen die täglichen Aktivitäten der Eichhörnchen nicht beeinflusste, verbrachten sie weniger Zeit mit der Nahrungssuche am Boden, wenn Katzen in der Nähe waren. Steinmarder als weitere mögliche Beutegreifer reduzierten die Aktivitäten der Eichhörnchen nur kurzzeitig, da sie überwiegend nachtaktiv sind. Katzen hingegen sind eine ständige Bedrohung. Eichhörnchen müssen abwägen zwischen Nahrungssuche und dem Risiko, dabei selbst zur Beute zu werden. Während der Covid-Lockdowns in den Untersuchungszeiträumen waren Eichhörnchen besonders häufig in den Gärten zu sehen. Das könnte darauf zurückgeführt werden, dass die Menschen mehr Wert auf die Bepflanzung gelegt und mehr Futterstellen eingerichtet haben – Garten- und Stadtgestaltung haben einen großen Einfluss auf die Wildtiere in der Stadt. Eichhörnchen sind in der Stadt komplexen Einflüssen ausgesetzt, an die sie sich anpassen müssen. Es ist wichtig, ihre unterschiedlichen Strategien zu verstehen, um sie in städtischen Lebensräumen zu schützen.[2]
[2] Drenske Sinah, Louvrier Julie, Grabow Marius, Landgraf Conny, Kramer-Schadt Stephanie, Planillo Aimara: Human and predator presence shape diel activity of urban red squirrels. Frontiers in Ecology and Evolution, Volume 12 - 2024. DOI: → 10.3389/fevo.2024.1455142