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Honigbienen beeinflussen Nahrungssuche von Hummeln in Heiden

Siebert, Ina [Ina Siebert2] - Heute, 08:00
Heiden sind Landschafts- und Vegetationstypen mit Zwergsträuchern auf mageren, oft sandigen Böden. Sie sind meist durch den Menschen entstanden, der die Flächen für die Weidewirtschaft genutzt oder hier Holz und Streu gewonnen hat. Natürlich bilden sich die waldfreien Heiden beispielsweise in Küstengebieten, Fels- und Moorlandschaften. Unter den Pflanzen dominieren Arten aus der Familie der Heidekrautgewächse (Ericaceae). In Europa ist die → Besenheide (Calluna vulgaris) typisch.
Besenheide in der Lüneburger Heide, (c) Douglas MacFarlane/NABU-naturgucker.de
Besenheide in der Lüneburger Heide
(c) Douglas MacFarlane/NABU-naturgucker.de
Zwergstrauchheiden haben eine große Bedeutung als Lebensraum für Flechten-, Pflanzen- und Tierarten, darunter auch eine Vielzahl seltener Arten, die auf der Roten Liste stehen. Dazu gehören etwa die → Kreuzotter (Vipera berus), das → Birkhuhn (Lyrurus tetrix) und das → Auerhuhn (Tetrao urogallus) oder der → Warzenbeißer (Decticus verrucivorus), Insekt des Jahres 2026. Heiden speichern zudem Kohlenstoff. 25.000 km² soll der Lebensraumtyp Trockene europäische Heide der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie in Europa im Jahr 2013 bedeckt haben. Das entspricht etwa der Größe von Sizilien. Insgesamt haben die Trockenen Heiden in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs 90 Prozent ihrer ursprünglichen Ausdehnung verloren. Viele der für Mitteleuropa einst typischen Heiden wurden mit Stickstoffdünger für die Landwirtschaft nutzbarer gemacht, und die Landwirtschaft ist neu strukturiert worden. Heiden benötigen für ihren Erhalt Störungen, beispielsweise durch Verbiss und Viehtritt. Viele charakteristische Arten sind auf offene Böden und frühe Entwicklungsstadien angewiesen. Daher sind die Heiden in Europa gefährdet, wenn ihre Nutzung reduziert oder aufgegeben wird. Auf der anderen Seite ist die intensivierte Nutzung durch Düngung und Überweidung ein Risiko für ihren Fortbestand. Heiden reagieren zudem empfindlich auf Stickstoffeinträge aus der Atmosphäre, insbesondere die Flechten und Moose. Klimatische Veränderungen wie geringerer Niederschlag oder kürzere Schneebedeckung wirken sich ebenfalls auf die Zusammensetzung der Arten aus. Um die Trockenen Heiden zu erhalten, müssen sie bewirtschaftet werden. Fördermittel machen die traditionelle Bewirtschaftung rentabler.[1]
Besenheide in der Mehlinger Heide in Rheinland-Pfalz, (c) Stella Mielke/NABU-naturgucker.de
Besenheide in der Mehlinger Heide in Rheinland-Pfalz
(c) Stella Mielke/NABU-naturgucker.de
An der Besenheide und anderen Heidekrautgewächsen finden Insekten Nahrung und Lebensraum. Insbesondere ihre späte Blüte von August bis Oktober macht die Besenheide zu einer wichtigen Nahrungspflanze für Wildbienen. Bedeutend ist sie aber auch für die Imkerei mit der Herstellung von Heidehonig, der besonders positive Effekte auch auf die menschliche Gesundheit haben soll. Daher werden Honigbienenvölker gezielt in die Heide gebracht. Irische und schwedische Forschende haben in Irland untersucht, ob und wie sich die zunehmende Zahl von Bienenstöcken in der Heide die Nektarverfügbarkeit und die Hummelpopulationen beeinflussen. Dazu haben sie die Auswirkungen von Bienenstöcken in Entfernungen von 250 und 1.000 Metern sowie bei einer Anzahl von 0 bis 35 Stöcken untersucht. Gab es mehr Stöcke, verbrachten Hummeln weniger Zeit an den Blüten und flogen schneller weiter, was an einer möglicherweise geringeren Verfügbarkeit von Nektar und Pollen liegen könnte. Außerdem nahm die Größe der Hummelarbeiterinnen mit der Anzahl der Bienenstöcke ab. Hierfür sind zwei Erklärungsansätze oder eine Kombination daraus denkbar: Größere Arbeiterinnen mit einem größeren Flugradius könnten Gebiete mit weniger Honigbienen aufgesucht haben, um Konkurrenz zu vermeiden. Kleinere Arbeiterinnen, die sich normalerweise um die Brut kümmern, könnten zusätzlich Nektar gesammelt haben, um die geringeren Erträge für das eigene Volk auszugleichen. Honigbienen können diesen Ergebnissen zufolge selbst in ressourcenreichen Gebieten wie Heiden die Nahrungssuche von Hummeln verändern. Daher sollten langfristige Auswirkungen auf die Populationen bewertet und Wechselwirkungen zwischen Wildbienen und Honigbienen bei der Bewirtschaftung berücksichtigt werden. Nur so lassen sich sowohl Wildbienen schützen als auch die Imkerei erhalten. Alle Bestäuber sind wichtig für die Ökosysteme und die Landwirtschaft.[2]

[1] Nicolas Schoof, Martin Weckesser, Florian Brossette, Marc Förschler, Sabine Aboling, Merle Streitberger und Thomas Fartmann: Der Schutz des Lebensraumtyps Trockene Heiden im Spannungsfeld von Ordnungs- und Förderrecht. Naturschutz und Landschaftsplanung 01/2023. DOI: → 10.1399/NuL.2023.01.01
[2] Katherine L. W. Burns, Lina Herbertsson, Dara A. Stanley; Honeybees have consequences for foraging bumblebees in Irish heathlands. Proc Biol Sci 1 December 2025; 292 (2060): 20251915. DOI: → 10.1098/rspb.2025.1915

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