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Artenreiche Gebüsch-Säume fördern

Siebert, Ina [Ina Siebert2] - 2. Jan 2026, 08:15
Zwischen Wäldern und der offenen Landschaft sind Gebüsch-Säume ein wichtiger Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten. Auf kleinem Raum herrschen hier unterschiedliche mikroklimatische Verhältnisse, die sowohl wärmeliebenden als auch schattentoleranten Spezies gute Bedingungen bieten. Allerdings sind diese Strukturen in Mitteleuropa von der Land- und Forstwirtschaft auf einen nur noch kleinen Flächenanteil reduziert worden.
Große Graswanzen, (c) Karin-Simone Hauth/NABU-naturgucker.de
Große Graswanzen
(c) Karin-Simone Hauth/NABU-naturgucker.de
Damit werden auch jene Arten zurückgedrängt, die auf solche Lebensräume angewiesen sind. Insbesondere Gliederfüßer finden hier Nahrung, Brut- und Überwinterungsmöglichkeiten. Dennoch sind Gebüsch-Säume und die Einflussfaktoren auf ihre Biodiversität bislang kaum erforscht worden. Ein Team der Julius-Maximilians-Universität Würzburg hat in diesem Jahr eine Untersuchung von 45 Gebüsch-Säumen in Bayern veröffentlicht. An diesen Standorten haben sie mehr als 33.000 Individuen von 551 Gliederfüßer-Spezies gesammelt. Ihr Fokus lag auf Wanzen (185 Arten), Heuschrecken (33 Arten), Laufkäfern (88 Arten) und Spinnen (245 Arten). Hinzu kamen 85 krautige Pflanzenarten. Am häufigsten in der jeweiligen Gruppe vertreten waren der → Nachtigall-Grashüpfer (Chorthippus biguttulus), die → Große Graswanze (Megaloceroea recticornis), der → Große Bombardierkäfer (Brachinus crepitans), der → Wiesenlaufwolf (Pardosa palustris) und das → Wiesen-Labkraut (Artengruppe) (Galium mollugo agg.).
Nachtigall-Grashüpfer, (c) Roland Tichai/NABU-naturgucker.de
Nachtigall-Grashüpfer
(c) Roland Tichai/NABU-naturgucker.de
Anhand dieser fünf Artengruppen haben die Forschenden die Auswirkungen verschiedener Habitat- und Landschaftseigenschaften untersucht. Sie unterscheiden sich in ihren Ansprüchen und ihrer Ausbreitungsfähigkeit und besiedeln verschiedene Vegetationsschichten. Offene Säume mit einer hohen Lebensraumqualität zeigten die größte Artenvielfalt. Die Größe des Saums und die Anzahl naturnaher Habitate in der näheren Umgebung spielten eine geringere Rolle. Um die Vielfalt von krautigen Pflanzen, Wanzen, Heuschrecken und Spinnen zu erhöhen, sollten den Forschenden zufolge Säume mit einer Strauchbedeckung von weniger als 30 Prozent und eine Mosaiklandschaft aus Sträuchern in verschiedenen Wachstumsstadien gefördert werden. Sehr gut eignen sich → Weißdorn (Crataegus) und Wildrosen. Laufkäfer haben auf die jeweiligen Bedingungen unterschiedlicher reagiert als die anderen Artengruppen. Bestehende Gebüsch-Säume sollten unbedingt erhalten und neue in ihrer Entwicklung unterstützt werden. Dazu sollte beispielsweise entlang von Wiesenrändern weniger gemäht oder geweidet werden, und Sträucher sollten entlang von Waldrändern wachsen können. Notwendig ist hierfür die Zusammenarbeit zwischen Landbesitzern, Landschaftsschutzverbänden und Naturschutzbehörden. Indem Zwischenstadien der Sukzession zwischen Grasland und dichten Wäldern gefördert werden, können diese einst weit verbreiteten und artenreichen Lebensräume der Gebüsch-Säume in bewirtschafteten Landschaften mit minimalem Flächenverlust wiederhergestellt werden.[1]

[1] Klimm, F. S., Boetzl, F. A., König, S., Bräu, M., Burtchen, L., Mandery, K., Stör, J.-L., & Krauss, J. (2025). Life at the (h)edge - Multidiversity in shrub ecotones is driven by habitat quality and shrub foliage cover. Journal of Applied Ecology, 62, 1520–1530. DOI: → 10.1111/1365-2664.70061

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