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Hintergründe und Neues aus der Forschung leicht verständlich erklärt
Mehr Schutz für Baumarten sowie Strukturvielfalt von Wäldern notwendig
Siebert, Ina [Ina Siebert2] - 1. Nov 2024, 08:20
Weltweit wie in Deutschland zeigen aktuelle Untersuchungen, dass Bäume und Wälder in keinem guten Zustand sind. Dabei sind Wälder als Lebensraum sowie für Biodiversität und Klimaschutz unersetzlich. Bäume filtern unsere Luft; Wälder speichern und filtern Wasser, schützen den Boden und wirken Erosion entgegen. Zudem profitieren Menschen vom Wald als Rohstofflieferant und für ihre Erholung, wie Spaziergänger*innen und Sportler*innen es selbst erleben und zahlreiche Studien belegen.

Regenwald in Costa Rica, (c) Werner Kunz/NABU-naturgucker.de
Ende Oktober 2024 hat die → International Union for Conservation of Nature, die IUCN, mit der Aktualisierung der Roten Liste das erste Global Tree Assessment veröffentlicht. Zum ersten Mal wurden die meisten Baumarten der Welt in die Rote Liste aufgenommen und ihr Zustand bewertet. Mehr als ein Drittel von ihnen ist weltweit vom Aussterben bedroht, das sind mindestens 16.425 von 47.282 Spezies. In 192 Ländern sind Baumarten vom Aussterben bedroht. Am stärksten betroffen sind Spezies, die auf Inseln vorkommen. Zunehmend setzt der Klimawandel den Bäumen zu, insbesondere in den Tropen. Wie erfolgreiche Projekte weltweit zeigen, können durch den Schutz und die Wiederherstellung von Lebensräumen sowie die Ex-situ-Erhaltung durch Samenbanken und Sammlungen botanischer Gärten Bäume vor dem Aussterben bewahrt werden. Dieser Einsatz ist auch für unser Leben von großer Bedeutung, denn über 5.000 der auf der Roten Liste aufgeführten Baumarten werden als Bauholz und über 2.000 als Arzneimittel, Nahrungsmittel bzw. Brennstoffe verwendet. Insgesamt enthält die Rote Liste der IUCN nun rund 166.000 Spezies, von denen mehr als 46.000 vom Aussterben bedroht sind. Ein Viertel der Arten auf der Roten Liste sind Bäume.[1]

Mischwald in Hessen, (c) Hubertus Schwarzentraub/NABU-naturgucker.de
32 Prozent der Fläche Deutschlands sind von Wald bedeckt. Dabei reicht die Spanne von 11 Prozent in Hamburg und Bremen bis zu 43 Prozent in Hessen sowie Rheinland-Pfalz. Grundlegende Informationen zur Waldentwicklung werden alle zehn Jahre in der → Bundeswaldinventur nach einem einheitlichen Verfahren ermittelt. Aktuell veröffentlichte Ergebnisse der vierten Inventur zeigen, dass unser Wald zwar vielfältig und strukturreich ist, die Schäden durch den Klimawandel aber deutlich sichtbar sind. Zudem ist der Wald von einer Kohlenstoffsenke zu einer Quelle für Kohlenstoff geworden. Zurückgeführt wird der Rückgang des Kohlenstoffvorrats in lebenden Bäumen vor allem auf den hohen Vorratsverlust durch Kalamitäten, insbesondere eine Folge der großen Dürre von 2018 bis 2021, sowie auf den klimawandelbedingt verminderten Zuwachs. Andererseits haben diese Kalamitäten die Dynamik des Waldumbaus verstärkt. Die Fläche der Laubbäume hat im Vergleich zu ihrer Fläche 2012 um 7 Prozent zugenommen. Um 17 Prozent ist die Fläche der → Fichte (Picea abies) zurückgegangen. 79 Prozent der Fläche sind von Mischwald bedeckt, womit die Strukturvielfalt zugenommen hat. Erhöht hat sich auch das Durchschnittsalter der Bäume um 5 auf nunmehr 82 Jahre. Ohne Saat und Pflanzung besteht der junge Wald zu 91 Prozent aus Naturverjüngung. Aus Sicht des Naturschutzes und der Biodiversität zeigt die Inventur also auch positive Entwicklungen. Um unsere Wälder und ihre für uns unersetzlichen Funktionen zu bewahren, müssen ihr Arten- und Strukturreichtum weiter gefördert werden.[2]
[2] → Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL): Der Wald in Deutschland – Ausgewählte Ergebnisse der vierten Bundeswaldinventur