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Fledermäuse stammen aus Europa

Siebert, Ina [Ina Siebert2] - Morgen, 08:25
Sieben Monate Insekten schlemmen, fünf Monate schlafen – so lässt sich das Leben der mitteleuropäischen Fledermäuse zusammenfassen. Im Oktober bauen sie ihre Fettreserven für den Winterschlaf ab November auf. Außerdem paaren sie sich im Herbst: Entlang der Zugrouten besetzen die Männchen Balzquartiere und locken die Weibchen mit typischen Rufen. Die Weibchen speichern das Sperma über den Winter und haben erst im Frühjahr ihren Eisprung. Im April beginnt für die Fledermäuse das neue Jahr.
Bechsteinfledermaus, in Deutschland stark gefährdet, (c) Hans Prün/NABU-naturgucker.de
Bechsteinfledermaus, in Deutschland stark gefährdet
(c) Hans Prün/NABU-naturgucker.de
25 Fledermausarten kommen in Deutschland vor. Viele sind gefährdet oder gar vom Aussterben bedroht und stehen unter besonderem Schutz. Um den Bedarf an Artenschutzmaßnahmen genauer einschätzen zu können, sind Daten zu ihrer Bestandsentwicklung notwendig. Erfassungen erfolgen jedoch dezentral, sind teilweise eingeschränkt zugänglich und nicht standardisiert. Im → BATLAS, herausgegeben von der Universität Greifswald, werden Daten von Bürgerwissenschaftler*innen, professionellen Überwachungsprogrammen und veröffentlichten Quellen in einer zentralen Datenbank zusammengefasst. Außerdem gibt es auf der Plattform ein Werkzeug zur automatisierten Trendanalyse, das öffentlich zugänglich ist. Rund 148.000 Fledermausbeobachtungen von Hunderten von Mitwirkenden sind bereits integriert worden, sodass Populationstrends für 16 Arten geschätzt werden können. Die Rohdaten bleiben bei den Mitwirkenden, die als Quelle genannt werden. BATLAS ist ein übertragbares Konzept, um durch die Kombination von Bürgerwissenschaften und institutionellen Analysen das langfristige Monitoring der biologischen Vielfalt zu verbessern und Bewertungen von Arten für die Roten Listen zu unterstützen.[1]
Gewöhnliche Zwergfledermaus, in Deutschland ungefährdet, (c) Eric Fischer/NABU-naturgucker.de
Gewöhnliche Zwergfledermaus, in Deutschland ungefährdet
(c) Eric Fischer/NABU-naturgucker.de
Die Evolutionsgeschichte der Fledermäuse mit ihren einzigartigen Merkmalen wie Flugfähigkeit, Echoortung und Langlebigkeit war bislang ungeklärt. 137 Forschende aus 64 Ländern, darunter vom Senckenberg Forschungsinstitut, haben genomische und fossile Daten von 103 lebenden Fledermausarten aus allen derzeitigen 21 Familien sowie von 44 ausgestorbenen Spezies analysiert. Mit diesem bislang umfassendsten Datensatz von Fledermausgenomen haben sie herausgefunden, dass der Ursprung der Fledermäuse sehr wahrscheinlich vor rund 65 Millionen Jahren in Europa liegt. Damit sind afrikanische, asiatische und nordamerikanische Ursprünge widerlegt. Vielmehr haben sich die Fledermäuse von Europa nach Afrika und von dort nach Asien, Amerika und Australien ausgebreitet. Die neuen Einblicke in die Evolutionsgeschichte der Fledermäuse haben auch gezeigt, dass sich der motorische Flug und die Echoortung bereits sehr früh in der Evolution der Fledermäuse entwickelt haben.[2]

[1] Marcus Fritze, Stefan Mayr, Alexander Scheuerlein, Gerald Kerth, Saskia Schirmer, BATLAS: A scalable citizen science platform for integrating biodiversity monitoring data with automatic population trend analysis, Ecological Informatics, Volume 96, 2026, 103817, ISSN 1574-9541. DOI: → 10.1016/j.ecoinf.2026.103817
[2] Morales, A.E., Liang, Y., Thomas, W.R. et al. Reference genomes and fossils revise bat family phylogeny and biogeography. Nature 658, 141–152 (2026). DOI: → 10.1038/s41586-026-11007-3

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